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STOOSS Abluftconsulting
Schadstoff

n-Hexan

Fachlich verantwortlich: Stefan Stooß, Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik · Stand: 24. Oktober 2026

n-Hexan ist ein unpolarer, aliphatischer Kohlenwasserstoff und das Standardlösemittel für die Extraktion pflanzlicher Speiseöle. Es kommt außerdem in Klebstoffen und Reinigungsprozessen zum Einsatz. n-Hexan ist neurotoxisch und steht im Zusammenhang mit einer typischen Nervenschädigung (Polyneuropathie) bei chronischer beruflicher Exposition, weshalb der Arbeitsschutz besonderes Gewicht hat. Als praktisch wasserunlösliches Kohlenwasserstoff lässt sich n-Hexan sehr gut per Adsorption zurückgewinnen — eine Wasserwäsche scheidet dagegen aus.

Ölmühle mit Extraktionsturm, Rapssilos, Förderbrücken und Lösemitteltank in einer Auffangwanne unter grauem Himmel
Die Extraktion pflanzlicher Speiseöle mit n-Hexan ist die wichtigste industrielle Quelle dieses Lösemittels in der Abluft.
Verfahren für n-Hexan klären +49 (0)7128 380 3050 Erstgespräch kostenfrei und herstellerunabhängig
Auch bekannt als
Hexan, n-Hexane (engl.)
Formel
C₆H₁₄
CAS-Nummer
110-54-3
Stoffgruppe
Lösemittel & VOC · verwandte Stoffe: n-Propanol, Naphtha, N-Methyl-2-pyrrolidon

Typische Quellen LebensmittelindustrieChemie & VerfahrenstechnikMetallverarbeitung & Oberflächentechnik

Steckbrief n-Hexan (C₆H₁₄): Grenzwerte, Verfahrenseignung und typische Quellen Grenzwerte: TA Luft, Nr. 5.2.5 Klasse I–III, stoffspezifisch (Organische Stoffe/Gesamt-C. Zur Orientierung liegt die Klasse-II-Schwelle bei 100 mg/m³ — die tatsächliche Einstufung von n-Hexan ist im Genehmigungsverfahren zu bestimmen.). Geeignete Verfahren: Aktivkohle mit Lösemittelrückgewinnung, RTO (Regenerative Thermische Oxidation), TNV (Thermische Nachverbrennung), KNV (Katalytische Nachverbrennung). Ungeeignet: Wasserwäscher, weil n-Hexan ist eine unpolare, offenkettige Kohlenwasserstoffverbindung ohne funktionelle Gruppen, die eine Wechselwirkung mit Wassermolekülen ermöglichen würden. Ein Wasserwäscher bringt n-Hexan deshalb kaum in Lösung, der erreichbare Abscheidegrad bleibt weit unter dem für eine sichere Grenzwerteinhaltung nötigen Niveau. Hinzu kommt die hohe Flüchtigkeit: Wegen des niedrigen Siedepunkts strebt n-Hexan ohnehin stark in die Gasphase zurück, was die ohnehin schwache Wasserlöslichkeit zusätzlich unterläuft.. Typische Quellen: Lebensmittel, Chemie & Verfahrenstechnik, Metall & Oberflächentechnik. Der Stoff ist als kritisch eingestuft. Auch bekannt als Hexan, n-Hexane (engl.). CAS-Nummer 110-54-3. n-Hexan C₆H₁₄ CAS 110-54-3 · Steckbrief aus den Regelwerken dieser Seite · kritischer Stoff Grenzwerte TA Luft, Nr. 5.2.5 Klasse I–III, stoffspezifisch Verfahren Geeignet (4) Ungeeignet (1) Aktivkohle mit Lösemittelrückgewinnung RTO (Regenerative Thermische Oxidation) TNV (Thermische Nachverbrennung) KNV (Katalytische Nachverbrennung) Wasserwäscher n-Hexan ist eine unpolare, offenkettigeKohlenwasserstoffverbindung ohne funktionelle … Typische Quellen Lebensmittel Chemie & Verfahrenstechnik Metall & Oberflächentechnik

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Steckbrief n-Hexan: Grenzwerte und Verfahrenseignung aus den auf dieser Seite genannten Regelwerken.

n-Hexan ist ein unpolarer, offenkettiger Kohlenwasserstoff und das mit Abstand gebräuchlichste Lösemittel zur Extraktion pflanzlicher Speiseöle. Als VOC ist es zugleich neurotoxisch, weshalb neben der Abluftreinigung auch der Arbeitsschutz besonderes Gewicht hat. Bei der Verfahrenswahl gilt eine ähnliche Logik wie bei Cyclohexan oder Toluol: Ein Wasserwäscher scheidet aus, thermische und adsorptive Verfahren stehen im Vordergrund.

Definition & Eigenschaften

EigenschaftWert
Chemische FormelC₆H₁₄
Molare Masse86,18 g/mol
Siedepunkt69 °C
Wasserlöslichkeitpraktisch unlöslich
Charakterunpolarer, gesättigter Kohlenwasserstoff
Brennbarkeitleicht entzündlich

Anders als das ringförmige Cyclohexan ist n-Hexan eine offenkettige, lineare Verbindung. Das senkt den Siedepunkt deutlich und macht n-Hexan zu einem der flüchtigeren Kohlenwasserstoffe in dieser Stoffgruppe — ein Umstand, der für die Speiseölextraktion technisch erwünscht ist: Ein niedrigsiedendes Lösemittel lässt sich nach der Extraktion einfacher und energieärmer wieder vom Öl abtrennen. Für die Abluftreinigung bedeutet die hohe Flüchtigkeit zugleich, dass n-Hexan-Dämpfe schon bei moderaten Temperaturen in relevanter Menge entstehen.

Wo n-Hexan im Betrieb entsteht

  • Ölmühlen und Speiseölraffinerien: Nach dem Pressen der Ölsaat (Soja, Raps, Sonnenblume) wird das verbleibende Restöl im Presskuchen mit n-Hexan extrahiert. Hexanhaltige Abluft entsteht vor allem an der Desolventizer-Stufe, in der das Lösemittel aus dem extrahierten Schrot ausgetrieben wird, sowie bei der Destillation der Öl-Hexan-Mischung (Miscella).
  • Klebstoff- und Schuhindustrie: n-Hexan dient als Lösemittel in Kontaktklebstoffen, insbesondere bei der Schuh- und Lederverarbeitung, wo schnelltrocknende Klebstoffsysteme benötigt werden.
  • Chemische Reinigung und Metallverarbeitung: Als unpolares Lösemittel für Fette und Öle in Reinigungs- und Entfettungsprozessen.

Praxisfall: Die Hexan-Rückgewinnungsanlage einer Ölmühle

Ein typisches Bild in Ölmühlen: Die Extraktion von Sojaöl oder Rapsöl mit n-Hexan ist wirtschaftlich nur tragfähig, wenn das Lösemittel nahezu vollständig im Kreislauf bleibt — n-Hexan ist ein vergleichsweise teures Betriebsmittel, das kontinuierlich in großen Mengen eingesetzt wird. Deshalb ist die Aktivkohle-Rückgewinnungsanlage hier keine nachgelagerte Umweltschutzmaßnahme, sondern Teil des Kernprozesses: Die hexanhaltige Abluft aus Desolventizer und Miscella-Destillation wird über Aktivkohlebetten geführt, das adsorbierte Hexan anschließend desorbiert, kondensiert und zurück in den Extraktionsprozess geführt. Fällt die Rückgewinnungsrate spürbar ab — etwa durch eine gealterte oder falsch dimensionierte Aktivkohle-Charge —, steigen die Lösemittelkosten der Mühle unmittelbar und messbar, oft lange bevor ein Emissionsgrenzwert überhaupt in Gefahr gerät. Die praktische Lehre: Bei n-Hexan in der Speiseölindustrie ist die Wirtschaftlichkeit der Rückgewinnung häufig der schärfere Kontrollparameter als die reine Grenzwerteinhaltung — beide hängen jedoch am selben technischen Zustand der Adsorptionsanlage.

Wie n-Hexan gemessen wird

n-Hexan wird per Gaschromatographie (FID) erfasst, in der Praxis meist als Teil des Summenparameters Gesamt-C zusammen mit anderen leichten, unpolaren Kohlenwasserstoffen im Rohgas. Bei Ölmühlen mit Rückgewinnungsanlage ist eine kontinuierliche Überwachung sowohl der Rein- als auch der Rohgasseite üblich, um einen Durchbruch der Aktivkohle frühzeitig zu erkennen — ein Konzentrationsanstieg im Reingas ist häufig das erste messbare Anzeichen einer nachlassenden Adsorptionsleistung, bevor sich das wirtschaftlich in höherem Lösemittelverbrauch niederschlägt. Details zur messtechnischen Umsetzung unter Emissionsmessungen.

Grenzwerte nach TA Luft

n-Hexan ist als organischer Stoff von der TA Luft Nr. 5.2.5 erfasst. Die konkrete Klassenzuordnung (Klasse I bis III) richtet sich nach den stoffspezifischen Eigenschaften und ist im Einzelfall zu prüfen; die Klasse-II-Schwelle liegt zur Orientierung bei 100 mg/m³ (Gesamt-C). Ebenso ist der Arbeitsplatzgrenzwert nach TRGS 900 im Einzelfall zu bestimmen. Die rechtssichere Einordnung übernimmt unsere unabhängige Abluftberatung.

Gesundheitsgefahren

Die Neurotoxizität von n-Hexan hat eine spezifische toxikologische Ursache: Im Körper wird n-Hexan unter anderem zu 2,5-Hexandion metabolisiert, einem Stoffwechselprodukt, das bei chronischer, hoher Exposition mit einer Schädigung peripherer Nerven (Polyneuropathie) in Verbindung gebracht wird. Dieser Mechanismus ist ein wichtiger Grund, warum der Arbeitsschutz bei n-Hexan-Anwendungen traditionell besonders sorgfältig ausgelegt wird — unabhängig von den separaten Anforderungen an die Abluftreinigung.

  • Neurotoxizität: chronische, hohe Exposition steht im Zusammenhang mit peripherer Polyneuropathie
  • Narkotische Wirkung: Kopfschmerzen und Schwindel bei akut hoher Konzentration
  • Hautschäden: Entfettung bei wiederholtem Kontakt
  • Brand-/Explosionsgefahr: niedriger Flammpunkt, leicht entzündlich

Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) begrenzt die zulässige Konzentration am Arbeitsplatz gesondert von der Anlagengenehmigung nach TA Luft.

Abluftreinigung — geeignete Verfahren

  • Aktivkohle mit Rückgewinnung: In der Ölmühlenindustrie seit Jahrzehnten etablierter Standard — die Adsorption an unpolarer Aktivkohle nutzt dieselbe Unpolarität, die eine Wasserwäsche ausschließt, als Vorteil.
  • RTO / TNV: Vollständige thermische Oxidation bei Mischabluft ohne Rückgewinnungsinteresse.
  • KNV: Möglich bei mittleren Konzentrationen ohne Katalysatorgifte im Rohgas.

Einen Überblick über alle Verfahren gibt unsere Seite zur Abluftreinigung.

Welche Verfahren ausscheiden — und warum

Wasserwäscher scheiden bei n-Hexan praktisch aus: Als unpolare, offenkettige Verbindung ohne funktionelle Gruppen zeigt n-Hexan gegenüber Wasser keine relevante Löslichkeit. Verschärft wird das durch die hohe Flüchtigkeit — der niedrige Siedepunkt sorgt dafür, dass n-Hexan ohnehin stark in die Gasphase strebt, statt sich im Waschwasser zu lösen. Ein Gaswäscher auf Wasserbasis erreicht damit keinen für die TA Luft ausreichenden Abscheidegrad; in der Praxis wird n-Hexan deshalb praktisch nie durch reine Wasserwäsche abgeschieden.

n-Hexan im Vergleich: Reinstoff statt Gemisch

n-Hexan ist wie Cyclohexan ein chemisch einheitlicher Reinstoff mit einem einzelnen Siedepunkt — anders als Testbenzin oder Naphtha, die als Gemische einen Siedebereich haben und messtechnisch als Summenparameter Gesamt-C statt als Einzelstoff behandelt werden. Der Unterschied zwischen den beiden Reinstoffen liegt in der Struktur: n-Hexan ist offenkettig und niedriger siedend, Cyclohexan ringförmig und etwas höher siedend. Für die Rückgewinnung ist das relevant, weil n-Hexan aufgrund seiner Flüchtigkeit tendenziell leichter desorbiert werden kann, dafür aber auch eher zu Verlusten über die Reingasseite neigt.

Typische Fehler in der Praxis

Ein verbreiteter Fehler ist die Unterdimensionierung der Aktivkohle-Rückgewinnung bei schwankender Ölsaatqualität: Wird die Anlage nur auf den durchschnittlichen Hexanverbrauch ausgelegt, führen Verbrauchsspitzen zu Durchbrüchen und spürbaren Lösemittelverlusten. Ein zweiter Fehler ist die Vernachlässigung der Bettemperatur- und Explosionsschutzüberwachung: n-Hexan ist leicht entzündlich, und ein unterschätztes Explosionsrisiko in Adsorber oder Rohrleitung kann bei nachträglichen Anlagenänderungen übersehen werden, wenn die Zoneneinteilung nicht neu bewertet wird. Ein dritter Fehler ist, den Arbeitsschutz und die Emissionsbegrenzung als getrennte Themen zu behandeln, obwohl beide an derselben Quelle ansetzen — eine gemeinsame Betrachtung im Lastenheft verhindert doppelte Planungsaufwände.

Häufige Fragen

Warum steht n-Hexan im Verdacht, Nerven zu schädigen?

Ein Metabolit von n-Hexan (2,5-Hexandion) kann bei chronischer, hoher beruflicher Exposition periphere Nerven schädigen und eine Polyneuropathie auslösen. Das betrifft vor allem Arbeitsplätze mit unzureichender Erfassung, nicht die Abluftreinigung selbst.

Warum ist n-Hexan das Standardlösemittel für Speiseölextraktion?

Weil es Öle sehr effizient aus Ölsaaten löst, einen niedrigen Siedepunkt hat und sich dadurch energiearm wieder vom Öl abtrennen und wirtschaftlich zurückgewinnen lässt. Die Rückgewinnung über Aktivkohle-Adsorption ist in der Ölmühlenindustrie seit Jahrzehnten etabliert.

Welcher Grenzwert gilt für n-Hexan nach TA Luft?

n-Hexan fällt als organischer Stoff unter TA Luft Nr. 5.2.5. Die konkrete Klassenzuordnung ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen; zur Orientierung liegt die Klasse-II-Schwelle bei 100 mg/m³.

Warum wird die Lösemittelrückgewinnung bei n-Hexan besonders genau betrieben?

Weil n-Hexan in der Speiseölextraktion ein teures Betriebsmittel ist, das kontinuierlich in großen Mengen eingesetzt wird. Eine nachlassende Rückgewinnungsrate schlägt sich unmittelbar in höheren Lösemittelkosten nieder — oft bevor ein Emissionsgrenzwert überhaupt gefährdet ist.

Ist n-Hexan explosionsgefährdet?

n-Hexan ist leicht entzündlich und bildet mit Luft explosionsfähige Gemische. Anlagen mit relevanten n-Hexan-Konzentrationen erfordern eine konsequente Zoneneinteilung nach Explosionsschutzkonzept.

Was unterscheidet n-Hexan von Cyclohexan bei der Verfahrenswahl?

Grundsätzlich wenig — beide sind unpolare Reinstoffe, bei denen Wasserwäscher ausscheiden. n-Hexan ist als offenkettige Verbindung flüchtiger und niedriger siedend als das ringförmige Cyclohexan, was in Anwendungen mit Rückgewinnung wie der Ölmühle technisch von Vorteil ist.

Warum scheidet ein Wasserwäscher bei n-Hexan aus?

Weil n-Hexan als unpolarer, offenkettiger Kohlenwasserstoff praktisch wasserunlöslich ist und zugleich stark zur Gasphase neigt. Beides zusammen macht eine Wasserwäsche als alleiniges Abscheideverfahren ungeeignet.

Kann n-Hexan durch Aktivkohle vollständig zurückgewonnen werden?

In der Praxis wird eine sehr hohe, aber keine vollständige Rückgewinnungsrate erreicht. Der Restanteil im Reingas sowie die Alterung der Aktivkohle werden deshalb kontinuierlich überwacht, um Durchbruch frühzeitig zu erkennen.

Quellen und Regelwerke

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