n-Propanol (1-Propanol)
Fachlich verantwortlich: Stefan Stooß, Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik · Stand: 24. Oktober 2026
n-Propanol (1-Propanol) ist ein vollständig wassermischbarer, leicht entzündlicher Alkohol. Er dient als Lösemittel in Druckfarben, Desinfektions- und Reinigungsmitteln sowie in pharmazeutischen und kosmetischen Formulierungen. Anders als n-Butanol ist n-Propanol wie Methanol und Ethanol vollständig mit Wasser mischbar, weshalb sich auch der Wäscher als Verfahren eignet. Auf Standard-Aktivkohle werden kleine, polare Alkohole dagegen vergleichsweise schlecht adsorbiert, insbesondere bei hoher Luftfeuchte im Rohgas.

- Auch bekannt als
- 1-Propanol, Propylalkohol, n-Propyl alcohol (engl.)
- Formel
- C₃H₈O
- CAS-Nummer
- 71-23-8
- Stoffgruppe
- Lösemittel & VOC · verwandte Stoffe: Naphtha, N-Methyl-2-pyrrolidon, Phenol
Typische Quellen DruckindustrieChemie & VerfahrenstechnikPharmaindustrie
Zum Ansehen seitlich wischen
n-Propanol (1-Propanol) ist ein vollständig wassermischbarer Alkohol und ein vielseitiges Lösemittel in Druck-, Reinigungs- und Pharmaprozessen. Anders als n-Butanol ist n-Propanol wie Ethanol vollständig mit Wasser mischbar — ein wichtiger Unterschied für die Verfahrenswahl bei der Abluftreinigung.
Definition & Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Chemische Formel | C₃H₈O (C₃H₇OH) |
| Molare Masse | 60,10 g/mol |
| Siedepunkt | 97 °C |
| Flammpunkt | ca. 15 °C |
| Wasserlöslichkeit | vollständig mischbar |
| Geruch | alkoholisch |
n-Propanol ist als primärer Alkohol mit drei Kohlenstoffatomen noch vollständig mit Wasser mischbar — die Polarität ist aber bereits spürbar geringer als bei Ethanol, was sich in Siedepunkt und Verdunstungsverhalten zeigt. Mit wachsender Kettenlänge sinkt die Polarität von Alkoholen graduell; n-Propanol markiert innerhalb der hier betrachteten Stoffgruppe den Übergang von der noch guten Wasserlöslichkeit des Ethanols zur nur noch begrenzten Löslichkeit des n-Butanols.
Wie Kettenlänge und Polarität die Verfahrenswahl verändern
n-Propanol steht in der Reihe der polaren, wasserlöslichen Lösemittel zwischen Ethanol und n-Butanol — deutlich weiter von der Sonderstellung des sehr flüchtigen Ketons Aceton entfernt. Mit einer Kohlenstoffkette mehr als Ethanol ist n-Propanol zwar noch vollständig wassermischbar, die Wasserlöslichkeit ist aber bereits merklich geringer, und die Bindung an Aktivkohle bereits etwas fester als bei Ethanol. Für die Praxis bedeutet das: Der Wäscher bleibt bei n-Propanol technisch wirksam, während Aktivkohle als alleinige Lösung schon eher in Betracht gezogen werden kann als bei Ethanol oder Aceton — robust und wirtschaftlich überlegen ist sie aber erst bei den noch längerkettigen Alkoholen wie n-Butanol, siehe dort.
Grenzwerte nach TA Luft
n-Propanol ist als organischer Stoff von TA Luft Nr. 5.2.5 erfasst. Die konkrete Klassenzuordnung (Klasse I bis III) ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen, ebenso der Arbeitsplatzgrenzwert nach TRGS 900. Die rechtssichere Einordnung übernimmt unsere unabhängige Abluftberatung.
Gesundheitsgefahren
- Reizwirkung: Augen-, Haut- und Atemwegsreizung, insbesondere bei Daueraussetzung
- Narkotische Wirkung: Kopfschmerzen und Schwindel bei hoher Konzentration
- Hautschäden: Entfettung bei wiederholtem Kontakt
- Brand-/Explosionsgefahr: niedriger Flammpunkt, leicht entzündlich
n-Propanol in der Industrie
- Pharma- und Kosmetikindustrie: Lösemittel in Desinfektionsmitteln, teils als Alternative zu Isopropanol in Rezepturen sowie in der Formulierung und Extraktion pharmazeutischer Wirkstoffe
- Druckindustrie: Lösemittel in Flexodruckfarben und Feuchtmitteln
- Reinigungsmittelherstellung: Lösemittel in Desinfektions- und Reinigungsprodukten für den industriellen und den Konsumentenbereich
- Kosmetikindustrie: Lösemittel in Parfüms und Körperpflegeprodukten
Abgrenzung zu Isopropanol (2-Propanol)
n-Propanol wird gelegentlich mit dem chemisch nah verwandten Isopropanol (2-Propanol) verwechselt. Beide haben dieselbe Summenformel C₃H₈O, unterscheiden sich aber in der Stellung der OH-Gruppe am Kohlenstoffgerüst — n-Propanol ist ein primärer, Isopropanol ein sekundärer Alkohol. Für die Abluftreinigung gelten grundsätzlich ähnliche Prinzipien: Beide sind kurzkettige, gut wasserlösliche Alkohole mit vergleichbarem Verhalten in Wäscher und thermischer Oxidation. Grenzwerte und stoffspezifische Kenngrößen sind jedoch getrennt zu betrachten und nicht ohne Prüfung von einem Stoff auf den anderen zu übertragen.
Abluftreinigung — So wird n-Propanol entfernt
- Wäscher: wirksam durch vollständige Wassermischbarkeit
- RTO / TNV: vollständige Oxidation, Standard bei größeren Lösemittelmengen
- KNV: möglich bei mittleren Konzentrationen ohne Katalysatorgifte im Rohgas
Aktivkohle adsorbiert n-Propanol wie andere kleine, polare Alkohole nur eingeschränkt, besonders bei feuchtem Rohgas. Einen Überblick über alle Verfahren gibt unsere Seite zur Abluftreinigung.
Welche Verfahren ausscheiden — und warum
Aktivkohle als alleinige Lösung ist bei n-Propanol nur eingeschränkt geeignet: Die kurze Kohlenstoffkette bindet spürbar schwächer an die Kohleoberfläche als bei den längerkettigen Alkoholen n-Butanol oder höher. Verschärfend kommt bei vielen Anwendungen — etwa in Reinigungsmittel- oder Pharmaprozessen — eine hohe Luftfeuchte im Rohgas hinzu: Wasserdampf konkurriert dann direkt um dieselben Adsorptionsplätze und senkt die nutzbare Beladungskapazität weiter. Wo n-Propanol in größeren, kontinuierlichen Mengen anfällt, ist deshalb meist der Wäscher oder eine thermische Nachverbrennung die robustere Wahl.
Praxisfall: Desinfektionsmittelproduktion mit Mischfracht aus Propanol und Wasser
Ein typisches Bild in der Pharma- und Kosmetikindustrie: Bei der Abfüllung und Formulierung alkoholbasierter Desinfektionsmittel entsteht Abluft mit hohem Wasserdampfanteil, in der n-Propanol nur einen Teil der organischen Fracht ausmacht. Wird eine solche Anlage mit Aktivkohle als Polizeifilter geplant, zeigt sich im Betrieb häufig eine geringere Standzeit als erwartet — die Ursache liegt in der Konkurrenzadsorption von Wasserdampf, die bei feuchtigkeitsreichen Prozessen wie diesem besonders ausgeprägt ist. In der Praxis hat sich deshalb bewährt, bei feuchter Rohgasmatrix von vornherein auf einen Wäscher oder eine Kombination aus Wäscher und nachgeschalteter Oxidationsstufe zu setzen, statt Aktivkohle nachträglich mit immer kürzeren Standzeiten zu betreiben.
n-Propanol messen
n-Propanol wird per Gaschromatographie (FID) oder PID erfasst. Bei Mischabluft mit anderen Alkoholen aus Druck- oder Reinigungsprozessen ist eine differenzierte Rohgasanalyse vor der Verfahrensauswahl sinnvoll: Emissionsmessungen.
Häufige Fragen
Warum lässt sich n-Propanol besser waschen als n-Butanol?
n-Propanol ist wie Methanol und Ethanol vollständig mit Wasser mischbar, während n-Butanol nur begrenzt wasserlöslich ist. Die kürzere Kohlenstoffkette macht n-Propanol deutlich polarer und wasserlöslicher.
Warum eignet sich Aktivkohle nur eingeschränkt für n-Propanol?
Kleine, polare Alkohole werden von Aktivkohle vergleichsweise schlecht adsorbiert. Bei feuchtem Rohgas konkurriert zusätzlich Wasserdampf um die Adsorptionsplätze und senkt die nutzbare Kapazität weiter.
Welcher Grenzwert gilt für n-Propanol nach TA Luft?
n-Propanol fällt als organischer Stoff unter TA Luft Nr. 5.2.5. Die konkrete Klassenzuordnung (Klasse I bis III) und damit der genaue Emissionsgrenzwert ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen.
Ist n-Propanol dasselbe wie Isopropanol?
Nein. n-Propanol (1-Propanol) und Isopropanol (2-Propanol) sind chemisch nah verwandte Isomere mit gleicher Summenformel, unterscheiden sich aber in der Stellung der OH-Gruppe am Molekül und damit in Eigenschaften wie Geruch und Reaktivität. Für die Abluftreinigung gelten grundsätzlich ähnliche Prinzipien, die genauen Grenzwerte sind aber getrennt zu prüfen und nicht einfach zu übertragen.
Warum wird n-Propanol teils als Alternative zu Isopropanol eingesetzt?
In Desinfektions- und Reinigungsmittelformulierungen wird n-Propanol mitunter anstelle von Isopropanol verwendet, etwa aus Gründen der Verfügbarkeit oder rezepturspezifischer Eigenschaften. An der grundsätzlichen Verfahrenslogik für die Abluftreinigung ändert das wenig, da beide Alkohole ähnlich polar und wasserlöslich sind.
Wo liegt n-Propanol in der Kettenlängen-Reihe der hier betrachteten Lösemittel?
n-Propanol steht zwischen Ethanol und n-Butanol. Es ist noch gut wasserlöslich, aber schon spürbar schlechter als Ethanol, und bindet dafür etwas besser an Aktivkohle als Ethanol, aber schlechter als n-Butanol.
Quellen und Regelwerke
- TA Luft 2021 (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) — Nr. 5.2.5 – organische Stoffe (Gesamt-C, Klassen I bis III)
- TRGS 900 – Arbeitsplatzgrenzwerte (BAuA) — Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für n-Propanol
- GESTIS-Stoffdatenbank (IFA/DGUV) — Stoffdatenbank, Suche nach n-Propanol
- 31. BImSchV – Lösemittelverordnung — Lösemittelbilanz und Anforderungen an Anlagen mit Lösemitteleinsatz
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