Cyclohexan
Fachlich verantwortlich: Stefan Stooß, Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik · Stand: 24. Oktober 2026
Cyclohexan ist ein unpolarer, gesättigter Kohlenwasserstoff und wichtiges Vorprodukt der Nylon-6,6-Herstellung über Adipinsäure und Caprolactam. Es wird zudem als Extraktions- und Reinigungslösemittel eingesetzt. Als praktisch wasserunlösliche Verbindung tritt Cyclohexan als typischer VOC-Emittent in Reaktor- und Trocknerabluft der chemischen Industrie auf. Für die Abluftreinigung gilt dieselbe Ausschlusslogik wie bei anderen unpolaren Lösemitteln: Wasserwäscher scheiden aus, thermische und adsorptive Verfahren sind Standard.

- Auch bekannt als
- Hexahydrobenzol, Cyclohexane (engl.)
- Formel
- C₆H₁₂
- CAS-Nummer
- 110-82-7
- Stoffgruppe
- Lösemittel & VOC · verwandte Stoffe: Dichlormethan, Dimethylformamid, Ethanol
Typische Quellen Chemie & VerfahrenstechnikLackieranlagen
Zum Ansehen seitlich wischen
Cyclohexan ist ein unpolarer, gesättigter Ringkohlenwasserstoff. In der Abluft tritt er vor allem als Lösemittel in der Lack- und Klebstoffindustrie auf und zählt zu den VOC. Bei der Verfahrenswahl gilt eine ähnliche Logik wie bei Toluol: Als unpolares Molekül lässt sich Cyclohexan mit einem einfachen Wasserwäscher kaum abscheiden — die Gründe dafür werden weiter unten eigenständig hergeleitet.
Definition & Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Chemische Formel | C₆H₁₂ |
| Molare Masse | 84,16 g/mol |
| Siedepunkt | 80,7 °C |
| Flammpunkt | −20 °C |
| Wasserlöslichkeit | praktisch unlöslich (unpolar) |
| Charakter | gesättigter, ringförmiger Kohlenwasserstoff |
Als gesättigter Kohlenwasserstoffring ohne funktionelle Gruppen ist Cyclohexan chemisch reaktionsträge und durchgehend unpolar. Genau diese beiden Eigenschaften bestimmen die Verfahrenswahl: Die Unpolarität schließt eine wirksame Wasserwäsche aus, während die geringe Reaktivität Cyclohexan zu einem unkomplizierten Kandidaten für die thermische Oxidation macht. Anders als etwa Formaldehyd polymerisiert Cyclohexan nicht an der Aktivkohleoberfläche und stellt für Katalysatoren keine typische Giftquelle dar, solange keine schwefel- oder siliziumhaltigen Begleitstoffe im Rohgas vorliegen.
Wo Cyclohexan im Betrieb entsteht
Cyclohexan gelangt über zwei grundsätzlich unterschiedliche Wege in die Abluft:
- Lösemittelanwendung: In der Lack- und Klebstoffindustrie dient Cyclohexan als Lösemittel für unpolare Harze und Kautschukbestandteile. Hier ist es ein klassischer VOC-Emittent aus Beschichtungs- und Trocknungsanlagen.
- Chemische Prozessindustrie: Cyclohexan ist Ausgangsstoff für die großtechnische Herstellung von Adipinsäure und Caprolactam — den beiden Vorprodukten für Nylon 6,6 beziehungsweise Nylon 6 (Polyamid). Innerhalb dieser Herstellung wird Cyclohexan aber überwiegend als Prozess- und Einsatzstoff verarbeitet, nicht als Reinstoff in die Abluft freigesetzt: Es reagiert im Prozess weitgehend ab beziehungsweise wird im Kreislauf gefahren. Abluftrelevant sind hier eher Randprozesse wie Lagerung, Verladung und Anfahrvorgänge, nicht die Reaktion selbst.
Wie Cyclohexan gemessen wird
Cyclohexan wird per Gaschromatographie (FID) meist als Teil des Gesamt-C-Werts erfasst, da es in der Praxis selten isoliert, sondern häufig gemeinsam mit anderen Lösemittelkomponenten im Rohgas auftritt. Bei Mischabluft aus Lack- oder Klebstoffanwendungen ist eine differenzierte Rohgasanalyse sinnvoll, um den Cyclohexan-Anteil von anderen Kohlenwasserstoffen abzugrenzen und die Verfahrensauslegung entsprechend zu justieren. In der chemischen Prozessindustrie ist zusätzlich die Abgrenzung zu Reaktionsprodukten wie Cyclohexanon und Cyclohexanol relevant, die andere stoffliche Eigenschaften haben und gegebenenfalls separat zu bewerten sind.
Grenzwerte nach TA Luft
Cyclohexan ist als organischer Stoff von der TA Luft Nr. 5.2.5 erfasst. Die konkrete Klassenzuordnung (Klasse I bis III) richtet sich nach den stoffspezifischen Eigenschaften und ist im Einzelfall zu prüfen; die Klasse-II-Schwelle liegt zur Orientierung bei 100 mg/m³ (Gesamt-C). Ebenso ist der Arbeitsplatzgrenzwert nach TRGS 900 im Einzelfall zu bestimmen. Die rechtssichere Einordnung übernimmt unsere unabhängige Abluftberatung.
Gesundheitsgefahren
Cyclohexan wirkt wie andere unpolare Kohlenwasserstoffe primär narkotisch auf das Zentralnervensystem; eine Einstufung als krebserzeugend oder erbgutverändernd liegt nach aktuellem Kenntnisstand nicht vor.
- Narkotische Wirkung: Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit bei hoher Konzentration, ähnlich anderen Kohlenwasserstoffen
- Reizwirkung: milde Reizung von Augen und Atemwegen
- Hautschäden: Entfettung bei wiederholtem Hautkontakt
- Brand-/Explosionsgefahr: niedriger Flammpunkt, leicht entzündlich
Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) begrenzt die zulässige Konzentration am Arbeitsplatz und wird separat von der Anlagengenehmigung nach TA Luft festgelegt.
Abluftreinigung — geeignete Verfahren
- RTO / TNV: Vollständige thermische Oxidation, robust auch bei schwankender Konzentration.
- KNV: Möglich bei mittleren Konzentrationen, sofern keine Katalysatorgifte im Rohgas vorliegen.
- Aktivkohle mit Rückgewinnung: Da Cyclohexan unpolar ist, bindet es gut an die ebenfalls unpolare Oberfläche der Aktivkohle — das Prinzip „Gleiches bindet Gleiches” gilt hier in besonderem Maße. Das macht Adsorption mit Lösemittelrückgewinnung zu einer wirtschaftlich attraktiven Option, insbesondere bei definierten, wiederkehrenden Lösemittelströmen aus Lackier- oder Reinigungsprozessen.
Einen Überblick über alle Verfahren gibt unsere Seite zur Abluftreinigung.
Welche Verfahren ausscheiden — und warum
Wasserwäscher scheiden bei Cyclohexan aus denselben grundsätzlichen Gründen aus wie bei anderen unpolaren Kohlenwasserstoffen: Ohne funktionelle Gruppen, die eine Wechselwirkung mit Wassermolekülen ermöglichen, bleibt die Löslichkeit verschwindend gering. Ein Gaswäscher mit reinem Wasser als Waschmedium erreicht deshalb keinen wirtschaftlich sinnvollen Abscheidegrad; ein organisches oder chemisch modifiziertes Waschmedium wäre technisch denkbar, ist aber gegenüber Aktivkohle oder thermischer Oxidation in aller Regel nicht die wirtschaftlichere Wahl.
Cyclohexan im Vergleich: Reinstoff statt Gemisch
Anders als Testbenzin oder Naphtha ist Cyclohexan ein chemisch einheitlicher Reinstoff mit exakt definierter Formel und einem einzelnen Siedepunkt. Das vereinfacht sowohl die Messung als auch die Verfahrensauslegung: Ein Rückgewinnungsprozess liefert am Ende ein sortenreines Produkt, das ohne größere Nachbehandlung wiederverwendet werden kann. Bei Testbenzin oder Naphtha ist das anders — diese Gemische haben einen Siedebereich statt eines Siedepunkts und werden deshalb messtechnisch grundsätzlich anders behandelt: als Summenparameter Gesamt-C statt als Einzelstoff. Auch n-Hexan ist wie Cyclohexan ein Reinstoff, unterscheidet sich aber durch seine offenkettige Struktur und die damit verbundene höhere Flüchtigkeit.
Typische Fehler in der Praxis
Ein verbreiteter Fehler ist, Cyclohexan aus Lösemittelanwendungen und Cyclohexan als Prozessstoff der Adipinsäure-Herstellung gleichzusetzen: Während in der Lackier- oder Klebstoffindustrie tatsächlich relevante Mengen als Abluft-VOC anfallen, ist in der chemischen Prozessanlage selbst meist nicht die Reaktion, sondern ein Randprozess wie Lagerung oder Verladung die eigentliche Emissionsquelle — eine pauschale Verfahrensauslegung nach „Branche Chemie” greift hier zu kurz. Ein zweiter Fehler ist die Annahme, jedes unpolare Lösemittel benötige zwingend eine thermische Lösung: Bei definierten, wiederkehrenden Cyclohexan-Strömen ist die Aktivkohle-Rückgewinnung oft wirtschaftlicher, weil sie den Stoff nicht vernichtet, sondern zurückgewinnt. Als herstellerunabhängige Berater prüfen wir beide Wege anlagenspezifisch — mehr dazu unter Lastenheft.
Häufige Fragen
Wofür wird Cyclohexan hauptsächlich eingesetzt?
Größter Verbrauchszweig ist die Oxidation zu Adipinsäure und Caprolactam als Vorprodukte für Nylon 6,6 und Nylon 6. Daneben dient Cyclohexan als Extraktions- und Reinigungslösemittel in der Lack- und Klebstoffindustrie.
Warum ist Cyclohexan für Wasserwäscher ungeeignet?
Weil es als gesättigter, unpolarer Ringkohlenwasserstoff praktisch wasserunlöslich ist. Ohne organisches Waschmedium bleibt der erreichbare Abscheidegrad im Wasserwäscher weit unter dem für die TA Luft nötigen Niveau — thermische Oxidation oder Aktivkohle sind hier die geeigneten Alternativen.
Welcher Grenzwert gilt für Cyclohexan nach TA Luft?
Cyclohexan fällt als organischer Stoff unter TA Luft Nr. 5.2.5. Die konkrete Klassenzuordnung (I bis III) ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen; zur Orientierung liegt die Klasse-II-Schwelle bei 100 mg/m³.
Ist Cyclohexan krebserregend?
Nach aktuellem Kenntnisstand liegt keine Einstufung von Cyclohexan als krebserzeugend oder erbgutverändernd vor. Die toxikologisch relevante Wirkung ist narkotisch, vergleichbar mit anderen unpolaren Kohlenwasserstoffen.
Warum taucht Cyclohexan in der Adipinsäure-Herstellung nicht als typischer Abluft-Reinstoff auf?
Weil Cyclohexan dort überwiegend als Prozess- und Einsatzstoff verarbeitet wird — es reagiert im Prozess weitgehend ab. Abluftrelevant sind eher Randprozesse wie Lagerung, Verladung und Anfahrvorgänge, nicht die Reaktion selbst.
Kann Cyclohexan durch Aktivkohle wirtschaftlich zurückgewonnen werden?
Ja. Da Cyclohexan unpolar ist, bindet es gut an die ebenfalls unpolare Aktivkohleoberfläche. Bei definierten, wiederkehrenden Lösemittelströmen aus Lackier- oder Reinigungsprozessen ist die Rückgewinnung wirtschaftlich attraktiv.
Was unterscheidet Cyclohexan von Testbenzin oder Naphtha bei der Verfahrenswahl?
Cyclohexan ist ein chemisch einheitlicher Reinstoff mit einem einzelnen Siedepunkt, während Testbenzin und Naphtha Gemische mit einem Siedebereich sind. Das vereinfacht bei Cyclohexan sowohl die Messung als Einzelstoff als auch die Rückgewinnung als sortenreines Produkt.
Wie unterscheidet sich die Verfahrenslogik von Cyclohexan von der bei Toluol?
Im Grundsatz kaum — beide sind unpolare Kohlenwasserstoffe, bei denen Wasserwäscher ausscheiden und thermische sowie adsorptive Verfahren dominieren. Der Unterschied liegt vor allem in der Herkunft und den Begleitstoffen im jeweiligen Rohgas, die im Einzelfall die konkrete Auslegung beeinflussen.
Quellen und Regelwerke
- TA Luft 2021 (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) — Nr. 5.2.5 – organische Stoffe (Gesamt-C, Klassen I bis III)
- TRGS 900 – Arbeitsplatzgrenzwerte (BAuA) — Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für Cyclohexan
- GESTIS-Stoffdatenbank (IFA/DGUV) — Stoffdatenbank, Suche nach Cyclohexan
- 31. BImSchV – Lösemittelverordnung — Lösemittelbilanz und Anforderungen an Anlagen mit Lösemitteleinsatz
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