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STOOSS Abluftconsulting
Schadstoff

Butylacetat

Fachlich verantwortlich: Stefan Stooß, Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik · Stand: 24. Oktober 2026

Butylacetat (Essigsäurebutylester) ist ein Esterlösemittel mit charakteristischem, an Banane oder Birne erinnerndem Geruch. Es dient als Verdünner und Lösemittel in Lacken, Druckfarben und Klebstoffen und tritt vor allem in Trocknerabluft als VOC auf. Als längerkettiger Ester ist Butylacetat deutlich schlechter wasserlöslich als kleinere Essigsäureester, bindet dafür aber besser an Aktivkohle. Eine reine Wasserwäsche reicht als alleiniges Verfahren nicht aus.

Tiefdruckmaschine in einer Verpackungsdruckerei mit bedruckter Folienbahn, Trocknerhauben und isolierten Abluftrohren, davor Farbeimer
Butylacetat verdunstet beim Trocknen lösemittelbasierter Druckfarben und wird mit der Trocknerabluft zur Nachverbrennung oder Rückgewinnung geführt.
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Auch bekannt als
n-Butylacetat, Essigsäure-n-butylester, Butyl acetate (engl.)
Formel
C₆H₁₂O₂
CAS-Nummer
123-86-4
Stoffgruppe
Lösemittel & VOC · verwandte Stoffe: Butylglykol, Cyclohexan, Dichlormethan

Typische Quellen DruckindustrieLackieranlagenChemie & Verfahrenstechnik

Steckbrief Butylacetat (C₆H₁₂O₂): Grenzwerte, Verfahrenseignung und typische Quellen Auf dieser Seite sind keine stoffspezifischen Grenzwerte hinterlegt. Geeignete Verfahren: RTO (Regenerative Thermische Oxidation), TNV (Thermische Nachverbrennung), KNV (Katalytische Nachverbrennung), Aktivkohle mit Lösemittelrückgewinnung. Ungeeignet: Wasserwäscher (als alleiniges Verfahren), weil Butylacetat ist nur gering wasserlöslich — mit wachsender Kettenlänge des Alkoholrests sinkt die Polarität und damit die Wasserlöslichkeit gegenüber Ethyl- und Methylacetat weiter. Eine reine Wasserwäsche reicht für die Grenzwerteinhaltung meist nicht aus. Zusätzlich kann der Ester bei feuchtem Kontakt teilweise zu Essigsäure und Butanol hydrolysieren, was die Abwasserchemie verändert, ohne die Abscheidung selbst relevant zu verbessern.. Typische Quellen: Druckindustrie, Lackieren & Oberfläche, Chemie & Verfahrenstechnik. Auch bekannt als n-Butylacetat, Essigsäure-n-butylester, Butyl acetate (engl.). CAS-Nummer 123-86-4. Butylacetat C₆H₁₂O₂ CAS 123-86-4 · Steckbrief aus den Regelwerken dieser Seite Grenzwerte Auf dieser Seite sind keine stoffspezifischen Grenzwerte hinterlegt. Verfahren Geeignet (4) Ungeeignet (1) RTO (Regenerative Thermische Oxidation) TNV (Thermische Nachverbrennung) KNV (Katalytische Nachverbrennung) Aktivkohle mit Lösemittelrückgewinnung Wasserwäscher (als alleiniges Verfahren) Butylacetat ist nur gering wasserlöslich — mitwachsender Kettenlänge des Alkoholrests sinkt die… Typische Quellen Druckindustrie Lackieren & Oberfläche Chemie & Verfahrenstechnik

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Steckbrief Butylacetat: Grenzwerte und Verfahrenseignung aus den auf dieser Seite genannten Regelwerken.

Butylacetat (Essigsäurebutylester) ist ein weit verbreitetes Esterlösemittel mit charakteristischem, fruchtigem Geruch. In Lack- und Druckindustrie dient es als Verdünner und Lösemittel — für die Abluftreinigung zählt vor allem sein Verhalten als längerkettiger, schwächer polarer Ester im Vergleich zu Ethylacetat und Methylacetat.

Definition & Eigenschaften

EigenschaftWert
Chemische FormelC₆H₁₂O₂ (CH₃COOC₄H₉)
Molare Masse116,16 g/mol
Siedepunkt126 °C
Flammpunktca. 22 °C
Wasserlöslichkeitgering
Geruchfruchtig, an Banane/Birne erinnernd

Butylacetat ist der längerkettige der drei in dieser Stoffgruppe behandelten Essigsäureester. Die Systematik ist eindeutig: Mit wachsender Kettenlänge des Alkoholrests — von Methylacetat über Ethylacetat bis Butylacetat — sinkt die Polarität des Moleküls, und damit sinkt auch die Wasserlöslichkeit weiter ab. Umgekehrt verhält es sich bei der Bindung an Aktivkohle: Je länger die Kohlenwasserstoffkette, desto stärker die Van-der-Waals-Wechselwirkung mit der Kohleoberfläche, was Butylacetat zu einem vergleichsweise guten Adsorptionskandidaten macht. Diese gegenläufige Systematik — schlechter wasserlöslich, aber besser adsorbierbar als die kleineren Verwandten — bestimmt maßgeblich die Verfahrenswahl.

Gesundheitsgefahren

  • Reizwirkung: Augen-, Haut- und Atemwegsreizung bei höheren Konzentrationen
  • Narkotische Wirkung: Kopfschmerzen und Schwindel bei hoher Konzentration
  • Hautschäden: Entfettung bei wiederholtem Kontakt
  • Brand-/Explosionsgefahr: Flammpunkt im Bereich der Raumtemperatur, entzündlich — verlangt Explosionsschutz-Zoneneinteilung in der Lackierkabine

Wo Butylacetat im Betrieb entsteht

  • Autolackierung: Als Verdünner in Basis- und Klarlacken der Fahrzeuglackierung verdunstet Butylacetat in der Spritzkabine und insbesondere in der nachgeschalteten Trocknung.
  • Möbel- und Industrielackierung: In Nitro- und Polyurethanlacken für Holz- und Metalloberflächen ist Butylacetat ein Standardlösemittel, das über die Trocknerabluft freigesetzt wird.
  • Flexo- und Tiefdruck: Als Komponente bestimmter Druckfarbensysteme, häufig im Gemisch mit anderen Estern und Alkoholen.
  • Klebstoffindustrie: In Kontakt- und Nitrolackklebern als Lösemittel, das während der Trocknungsphase der Verklebung entweicht.

In Lacksystemen tritt Butylacetat häufig gemeinsam mit n-Butanol auf — beide Stoffe haben dieselbe Kettenlänge und ähnliche Verdunstungsraten, was sie zu einer verbreiteten Kombination in Lösemittelgemischen der Lackindustrie macht.

Wie Butylacetat gemessen wird

Butylacetat wird per Gaschromatographie mit Flammenionisationsdetektor (GC-FID) erfasst. Da der Stoff in Lacksystemen praktisch immer im Gemisch mit anderen Estern und mit n-Butanol auftritt, ist eine trennscharfe chromatographische Auswertung wichtig — bei reiner Gesamt-C-Messung lassen sich die Einzelkomponenten und ihr jeweiliger Beitrag zum Emissionswert nicht mehr unterscheiden. Für die Verfahrensauslegung, insbesondere bei geplanter Lösemittelrückgewinnung, ist eine differenzierte Rohgasanalyse deshalb Voraussetzung. Eine weitere praktische Herausforderung: Da Butylacetat vergleichsweise langsam verdunstet, kann sich in schlecht durchmischten Trocknerzonen eine ungleichmäßige Konzentrationsverteilung einstellen, die punktuelle Messstellen verfälscht, wenn sie nicht repräsentativ für den gesamten Abluftstrom positioniert sind.

Abluftreinigung — So wird Butylacetat entfernt

  • RTO / TNV: Vollständige Oxidation, Standardlösung in Lackieranlagen mit größeren oder schwankenden Lösemittelmengen.
  • KNV: Möglich bei mittleren, gleichmäßigen Konzentrationen ohne Katalysatorgifte im Rohgas.
  • Aktivkohle mit Rückgewinnung: Wegen der vergleichsweise starken Bindung von Butylacetat an die Kohleoberfläche gut geeignet, besonders bei größeren, sortenreinen Mengen aus Lackieranlagen — die Desorption liefert dann ein Lösemittelgemisch, das je nach Reinheitsanforderung direkt oder nach Aufbereitung wiederverwendet werden kann.

Welche Verfahren ausscheiden — und warum

Wasserwäscher als alleiniges Verfahren scheiden bei Butylacetat noch deutlicher aus als bei den kürzerkettigen Estern dieser Gruppe: Die geringe Polarität des Moleküls lässt kaum physikalische Absorption in Wasser zu, und auch hier gilt, dass die grundsätzlich vorhandene Hydrolyseneigung zu Essigsäure und Butanol ohne gezielte alkalische Prozessführung viel zu langsam abläuft, um zur Abscheidung beizutragen. Ein Wasserwäscher bringt bei Butylacetat praktisch keinen relevanten Abscheidegrad — die Investition lohnt sich hier noch weniger als bei den wasserlöslicheren kleinen Estern.

Praxisfall: Wenn das Lösemittelgemisch die Rückgewinnung verwässert

Ein wiederkehrendes Muster in Lackieranlagen mit Aktivkohle-Rückgewinnung: Die Anlage wird auf Butylacetat als Hauptkomponente ausgelegt, die Desorption läuft technisch stabil — trotzdem lässt sich das gewonnene Lösemittel nicht ohne Weiteres in der Produktion wiederverwenden. Der Grund liegt meist im begleitenden n-Butanol und weiteren Esterkomponenten des Lacksystems: Diese Stoffe desorbieren gemeinsam mit Butylacetat, aber nicht im selben Mischungsverhältnis wie im ursprünglichen Lack, sodass das Desorbat nachbehandelt oder in einem anderen Prozessschritt eingesetzt werden muss. Die Lehre daraus: Bei Mehrkomponenten-Lacksystemen entscheidet nicht die Bindungsstärke des Hauptlösemittels allein über den wirtschaftlichen Erfolg der Rückgewinnung, sondern das Zusammenspiel aller Komponenten im Gemisch — eine Analyse der vollständigen Rezeptur vor der Investitionsentscheidung verhindert diese Enttäuschung.

Typische Fehler in der Praxis

Ein verbreiteter Fehler ist, die Standzeit einer Aktivkohleanlage allein anhand von Butylacetat zu kalkulieren, obwohl in der Praxis fast immer ein Gemisch mit n-Butanol und weiteren Estern vorliegt, die das Adsorptionsverhalten gemeinsam bestimmen. Ein zweiter Fehler ist die Annahme, die Hydrolyse von Butylacetat zu Essigsäure und Butanol könne in einem Standardwäscher relevant zur Abscheidung beitragen — dafür fehlt schlicht die Verweilzeit und meist die alkalische Prozessführung. Ein dritter Fehler ist die Vernachlässigung des Explosionsschutzes bei Lackieranlagen: Der Flammpunkt von Butylacetat liegt nahe der Raumtemperatur, weshalb schon geringe Temperaturschwankungen die Zoneneinteilung beeinflussen können.

Welches Verfahren für Ihre Lackier- oder Druckanlage technisch und wirtschaftlich optimal ist, hängt vom vollständigen Lösemittelgemisch ab. Einen ersten Überblick gibt unsere Seite zur Abluftreinigung, die branchenspezifische Einordnung finden Sie unter Lackieren & Oberfläche.

Häufige Fragen

Warum riecht Butylacetat nach Obst?

Der fruchtige Geruch ist typisch für viele Ester und wird bei Butylacetat oft mit Banane oder Birne assoziiert — chemisch hat das keinen Bezug zu diesen Früchten, sondern liegt an der Esterstruktur selbst.

Was passiert mit Butylacetat in einer Wasserwäsche?

Butylacetat ist nur gering wasserlöslich, deshalb reicht eine reine Wäsche als alleiniges Verfahren meist nicht aus. Zudem kann der Ester bei feuchtem Kontakt teilweise zu Essigsäure und Butanol hydrolysieren, allerdings zu langsam, um die Abscheidung nennenswert zu verbessern.

Warum bindet Butylacetat besser an Aktivkohle als Ethylacetat oder Methylacetat?

Mit zunehmender Kettenlänge des Alkoholrests steigt die Stärke der Van-der-Waals-Wechselwirkung zwischen Molekül und Kohleoberfläche. Butylacetat als längerkettiger Ester der Gruppe bindet deshalb fester an Aktivkohle als Ethylacetat oder Methylacetat, was tendenziell längere Standzeiten ermöglicht.

Womit tritt Butylacetat häufig im Gemisch auf?

In Lacksystemen wird Butylacetat oft zusammen mit n-Butanol und anderen Estern eingesetzt — beide Stoffe haben dieselbe Kettenlänge und ähnliche Verdunstungseigenschaften, was sie zu einer verbreiteten Kombination in Lösemittelgemischen macht.

Welcher Grenzwert gilt für Butylacetat nach TA Luft?

Butylacetat fällt als organischer Stoff unter TA Luft Nr. 5.2.5. Die konkrete Klassenzuordnung und der zulässige Massenstrom sind stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen.

Ist Butylacetat explosionsgefährlich?

Butylacetat ist entzündlich mit einem Flammpunkt im Bereich der Raumtemperatur, weshalb bei Lagerung und Verarbeitung Explosionsschutzmaßnahmen nach den einschlägigen Vorschriften erforderlich sind. Die genaue Zoneneinteilung richtet sich nach der jeweiligen Anlagensituation.

Lohnt sich die Lösemittelrückgewinnung bei Butylacetat?

In Lackieranlagen mit größeren, sortenreinen Butylacetat-Mengen kann die Rückgewinnung per Aktivkohle-Desorption wirtschaftlich attraktiv sein — begünstigt durch die vergleichsweise starke Bindung des Moleküls an die Kohleoberfläche. Bei Gemischen mit vielen unterschiedlichen Komponenten sinkt die erreichbare Reinheit des Desorbats und damit oft auch der wirtschaftliche Nutzen.

Ist Butylacetat gesundheitlich kritischer als Ethylacetat oder Methylacetat?

Grundsätzlich zeigen alle drei Acetate ein ähnliches Wirkprofil aus Reiz- und narkotischer Wirkung bei höheren Konzentrationen. Butylacetat verdunstet wegen seines höheren Siedepunkts langsamer, was die akute Exposition am Arbeitsplatz tendenziell dämpft, aber auch zu einer länger anhaltenden Restfracht in Trocknern und Lackierkabinen führen kann.

Quellen und Regelwerke

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