Zum Inhalt springen
STOOSS Abluftconsulting
Schadstoff

Dichlormethan (Methylenchlorid, DCM)

Fachlich verantwortlich: Stefan Stooß, Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik · Stand: 24. Oktober 2026

Dichlormethan (Methylenchlorid, DCM) ist ein farbloser, nicht brennbarer, aber leichtflüchtiger chlorierter Kohlenwasserstoff. Es dient als Lösemittel in Chemie, Metallreinigung und Pharmaextraktion sowie – trotz Einschränkungen – in der Entlackung. Als Halogenverbindung ist Chlor im Molekül ein klassisches Katalysatorgift: Eine katalytische Nachverbrennung scheidet aus. Bei thermischer Behandlung entsteht Chlorwasserstoff (HCl), der eine nachgeschaltete Wäsche zwingend erforderlich macht.

Geschlossene Lösemittel-Entfettungsanlage in einer Metallwerkstatt mit Teilekörben und Abluftleitung zu einem Aktivkohleadsorber
Die Metallentfettung mit chlorierten Lösemitteln ist eine klassische Dichlormethan-Quelle; die Abluft wird geschlossen erfasst und über Aktivkohle geführt.
Verfahren für Dichlormethan klären +49 (0)7128 380 3050 Erstgespräch kostenfrei und herstellerunabhängig
Auch bekannt als
Methylenchlorid, DCM, Dichloromethane (engl.)
Formel
CH₂Cl₂
CAS-Nummer
75-09-2
Stoffgruppe
Lösemittel & VOC · verwandte Stoffe: Dimethylformamid, Ethanol, Ethylacetat

Typische Quellen Chemie & VerfahrenstechnikMetallverarbeitung & OberflächentechnikPharmaindustrie

Steckbrief Dichlormethan (Methylenchlorid, DCM) (CH₂Cl₂): Grenzwerte, Verfahrenseignung und typische Quellen Auf dieser Seite sind keine stoffspezifischen Grenzwerte hinterlegt. Geeignete Verfahren: TNV (Thermische Nachverbrennung) mit nachgeschalteter HCl-Wäsche, RTO (Regenerative Thermische Oxidation) mit nachgeschalteter HCl-Wäsche, Aktivkohle mit Lösemittelrückgewinnung, Kondensation bei hohen Konzentrationen. Ungeeignet: KNV/RCO (Katalytische Nachverbrennung), weil Chlor ist ein klassisches Katalysatorgift. Halogenverbindungen belegen die aktiven Zentren des Katalysators und deaktivieren ihn dauerhaft — die KNV scheidet für chlorhaltige Rohgase aus.; TNV/RTO ohne nachgeschaltete Wäsche, weil Bei der thermischen Oxidation von Dichlormethan entsteht zwangsläufig Chlorwasserstoff (HCl). Ohne eine nachgeschaltete alkalische Wäsche verlagert die Anlage das Problem nur von der Abluft ins Abgas.. Typische Quellen: Chemie & Verfahrenstechnik, Metall & Oberflächentechnik, Pharma. Der Stoff ist als kritisch eingestuft. Auch bekannt als Methylenchlorid, DCM, Dichloromethane (engl.). CAS-Nummer 75-09-2. Dichlormethan (Methylenchlorid, DCM) CH₂Cl₂ CAS 75-09-2 · Steckbrief aus den Regelwerken dieser Seite · kritischer Stoff Grenzwerte Auf dieser Seite sind keine stoffspezifischen Grenzwerte hinterlegt. Verfahren Geeignet (4) Ungeeignet (2) TNV (Thermische Nachverbrennung) mit nachg… RTO (Regenerative Thermische Oxidation) mit… Aktivkohle mit Lösemittelrückgewinnung Kondensation bei hohen Konzentrationen KNV/RCO (Katalytische Nachverbrennung) Chlor ist ein klassisches Katalysatorgift.Halogenverbindungen belegen die aktiven Zentren … TNV/RTO ohne nachgeschaltete Wäsche Bei der thermischen Oxidation von Dichlormethanentsteht zwangsläufig Chlorwasserstoff (HCl). Ohn… Typische Quellen Chemie & Verfahrenstechnik Metall & Oberflächentechnik Pharma

Zum Ansehen seitlich wischen

Steckbrief Dichlormethan (Methylenchlorid, DCM): Grenzwerte und Verfahrenseignung aus den auf dieser Seite genannten Regelwerken.

Dichlormethan (Methylenchlorid, DCM) ist ein farbloser, nicht brennbarer chlorierter Kohlenwasserstoff. Anders als die meisten Lösemittel bringt es kein eigenes Brand- und Explosionsrisiko mit — dafür stellt das Chloratom im Molekül die Abluftreinigung vor eine andere Herausforderung.

Definition & Eigenschaften

EigenschaftWert
Chemische FormelCH₂Cl₂
Molare Masse84,93 g/mol
Siedepunkt39,6 °C
Brennbarkeitnicht brennbar unter Normalbedingungen
Wasserlöslichkeitmäßig löslich
Charakterhalogenierter (chlorierter) Kohlenwasserstoff

Grenzwerte nach TA Luft

Dichlormethan ist als organischer Stoff von TA Luft Nr. 5.2.5 erfasst. Die konkrete Klassenzuordnung (Klasse I bis III) ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen, ebenso der Arbeitsplatzgrenzwert nach TRGS 900. Die rechtssichere Einordnung übernimmt unsere unabhängige Abluftberatung.

Gesundheitsgefahren

  • Narkotische Wirkung: Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit bei höherer Konzentration
  • Metabolische Umwandlung: wird im Körper teilweise zu Kohlenmonoxid umgesetzt
  • Reizwirkung: Augen- und Atemwegsreizung
  • Einstufung: gilt nach aktueller CLP-Einstufung als Verdachtsfall für Krebserzeugung — Arbeitsschutz hat entsprechend Priorität

Dichlormethan in der Industrie

  • Chemische Industrie: Lösemittel für Synthesen und Extraktionen
  • Metallreinigung: Entfettung und Bauteilreinigung
  • Pharmazeutische Industrie: Extraktions- und Kristallisationslösemittel
  • Entlackung: trotz regulatorischer Einschränkungen in Teilanwendungen noch im Einsatz

Abluftreinigung — So wird Dichlormethan entfernt

  • TNV / RTO mit nachgeschalteter Wäsche: Vollständige Oxidation, das entstehende HCl wird in einer alkalischen Wäsche neutralisiert
  • Aktivkohle mit Rückgewinnung: Etabliert bei definierten Lösemittelströmen aus Reinigung und Extraktion
  • Kondensation: bei hohen Konzentrationen aus Extraktionsprozessen

Eine katalytische Nachverbrennung scheidet wegen der Katalysatorvergiftung durch Chlorwasserstoff und andere Halogenwasserstoffe aus. Einen Überblick über alle Verfahren gibt unsere Seite zur Abluftreinigung.

Dichlormethan messen

Dichlormethan wird per Gaschromatographie erfasst, häufig zusammen mit anderen halogenierten Lösemitteln im selben Rohgasstrom. Da bei thermischer Behandlung HCl im Abgas entsteht, gehört eine begleitende HCl-Messung zur vollständigen Bilanz dazu: Emissionsmessungen. Eine Störgröße, die häufig übersehen wird: Liegt Dichlormethan im Gemisch mit anderen chlorierten oder bromierten Lösemitteln vor, summieren sich die Halogenfrachten — die Wäscherauslegung muss die gesamte Halogenbilanz abdecken, nicht nur den Anteil des Dichlormethans allein.

Welche Verfahren ausscheiden — und warum

Die katalytische Nachverbrennung scheidet bei Dichlormethan nicht wegen einer Nebenwirkung, sondern strukturell aus: Chlor ist eines der klassischen Katalysatorgifte, die die aktiven Zentren eines Edelmetallkatalysators dauerhaft belegen — ähnlich wie Schwefel bei Mercaptanen oder Silizium bei Silanen und Siloxanen. Anders als bei Katalysatorgiften, die sich durch Vorabscheidung entfernen lassen, ist Chlor hier fester Bestandteil des zu behandelnden Moleküls selbst — eine Vorabscheidung würde den eigentlichen Zielstoff entfernen. Die KNV ist deshalb für chlorhaltige Rohgase grundsätzlich die falsche Wahl, nicht nur bei ungünstiger Auslegung. Ebenso wenig genügt eine reine thermische Oxidation ohne nachgeschaltete Wäsche: Sie zerstört zwar Dichlormethan vollständig, verlagert das Chlor aber lediglich von der organischen in die anorganische Form (HCl) — ohne Wäsche würde die Anlage ein Genehmigungsproblem gegen ein anderes tauschen.

Praxisfall: Die thermische Anlage ohne durchdachte Säurewäsche

Ein wiederkehrendes Muster bei der Umstellung von Aktivkohle auf thermische Oxidation für halogenierte Lösemittelströme: Die Verbrennungsstufe selbst wird sorgfältig ausgelegt, die nachgeschaltete Wäsche dagegen als Standardkomponente mitbestellt, ohne die tatsächliche Chlorfracht durchzurechnen. In der Betriebsphase zeigt sich dann, dass die Wäsche unterdimensioniert ist oder die verwendeten Werkstoffe der Säurebelastung nicht dauerhaft standhalten — Korrosionsschäden an Kanälen und Wärmetauschern treten oft erst nach Monaten auf, wenn sich saure Kondensate an kälteren Anlagenstellen unterhalb des Taupunkts niederschlagen. Die praktische Lehre: Bei Dichlormethan und anderen Halogenkohlenwasserstoffen ist die Wäsche kein optionales Add-on, sondern integraler Bestandteil der Verfahrensauslegung, dimensioniert auf die tatsächliche Chlorbilanz des Rohgases — nicht auf einen pauschalen Erfahrungswert.

Typische Fehler in der Praxis

Ein verbreiteter Fehler ist, Dichlormethan bei Mischströmen mit anderen Lösemitteln über den Gesamt-C-Summenwert zu bewerten, ohne den Halogenanteil gesondert zu erfassen — das führt zu einer unterdimensionierten Wäsche. Ein zweiter Fehler ist der Versuch, eine bestehende KNV-Anlage nachträglich für chlorhaltige Ströme zu nutzen, weil sie bereits vorhanden ist — der Katalysator wird dadurch dauerhaft geschädigt, oft ohne dass der Wirkungsgradverlust sofort auffällt. Ein dritter Fehler ist die Unterschätzung des Explosionsschutzes bei Mischabluft: Dichlormethan selbst ist nicht brennbar, kann aber in Mischung mit brennbaren Lösemitteln deren Explosionsgrenzen beeinflussen — eine separate Betrachtung reiner Dichlormethan-Kennwerte greift hier zu kurz. Eine anlagenspezifische Bewertung liefert unser Schadstoff-Finder als erste Orientierung, die endgültige Auslegung übernimmt die unabhängige Abluftberatung.

Häufige Fragen

Warum eignet sich die katalytische Nachverbrennung nicht für Dichlormethan?

Weil Chlor als Katalysatorgift wirkt. Halogenverbindungen wie Dichlormethan belegen die aktiven Zentren des Katalysators dauerhaft und deaktivieren ihn — bei chlorhaltigem Rohgas ist eine thermische Oxidation ohne Katalysator vorzuziehen.

Was passiert mit dem Chlor bei der thermischen Behandlung?

Es entsteht Chlorwasserstoff (HCl), der als saures Abgas eine nachgeschaltete alkalische Wäsche erfordert. Diese Kombination — thermische Stufe plus Wäsche — ist der übliche Planungsansatz für halogenierte Lösemittel.

Welcher Grenzwert gilt für Dichlormethan nach TA Luft?

Dichlormethan fällt als organischer Stoff unter TA Luft Nr. 5.2.5. Die konkrete Klassenzuordnung ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen.

Ist Dichlormethan brennbar wie andere Lösemittel?

Nein, unter Normalbedingungen ist Dichlormethan nicht brennbar — ein Vorteil gegenüber klassischen Lösemitteln wie Toluol oder Methanol, der den Explosionsschutz vereinfacht. Das ändert nichts an der Notwendigkeit, das Chloratom bei der thermischen Nachbehandlung zu berücksichtigen.

Wie unterscheidet sich Dichlormethan von reinem Chlorwasserstoff?

Dichlormethan ist das organische Ausgangsmolekül, Chlorwasserstoff (HCl) entsteht erst als Reaktions- bzw. Verbrennungsprodukt daraus. Für die Anlagenplanung heißt das: Wer Dichlormethan thermisch behandelt, muss von Anfang an eine HCl-Wäsche mitplanen, nicht erst nachrüsten, wenn saure Kondensate Schäden verursachen.

Warum ist die Werkstoffwahl bei Dichlormethan-Anlagen so wichtig?

Weil sowohl das Lösemittel selbst als auch das bei der Oxidation entstehende HCl korrosiv wirken können, besonders in Kombination mit Feuchte. Kanäle, Wäscher und Wärmetauscher im HCl-führenden Anlagenteil werden deshalb konsequent in korrosionsbeständigen Werkstoffen ausgeführt.

Kann Dichlormethan durch ein anderes Lösemittel ersetzt werden?

In vielen Anwendungen ja — regulatorischer Druck hat in Entlackung und Reinigung bereits zu Substitutionen geführt. Wo eine Substitution technisch nicht möglich ist, bleibt die korrekt ausgelegte Kombination aus thermischer Oxidation und Wäsche der verlässliche Weg.

Warum wird Dichlormethan trotz seiner geringeren Brennbarkeit nicht als unkritisch behandelt?

Weil die fehlende Brennbarkeit nur ein Teilaspekt der Gefährdung ist. Die narkotische Wirkung, die metabolische Umwandlung zu Kohlenmonoxid im Körper und der CLP-Verdacht auf Krebserzeugung wiegen arbeitsschutzseitig schwerer als das reduzierte Brand- und Explosionsrisiko — beide Themen müssen unabhängig voneinander bewertet werden.

Quellen und Regelwerke

Lassen Sie Ihre Situation einschätzen

Beschreiben Sie kurz Ihre Anlage und Ihr Problem. Sie bekommen eine ehrliche Ersteinschätzung — auch dann, wenn Sie uns am Ende nicht brauchen.

  • Antwort innerhalb eines Werktags
  • Keine Provision von Herstellern — wir verkaufen keine Anlagen
  • Erstgespräch kostenfrei
  • Klare Absage, wenn wir nicht die Richtigen für Ihren Fall sind

Lieber direkt sprechen? +49 (0)7128 380 3050, Mo–Fr 8:00–18:00 Uhr