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STOOSS Abluftconsulting
Schadstoff

n-Butanol

Fachlich verantwortlich: Stefan Stooß, Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik · Stand: 24. Oktober 2026

n-Butanol ist ein vierwertiger, nur begrenzt wasserlöslicher Alkohol und ein häufiges Lösemittel in Lacken, Druckfarben und Klebstoffen. Es entsteht außerdem als Zwischenprodukt bei der Herstellung von Butylacrylat, einem wichtigen Ausgangsstoff für Beschichtungspolymere. Als VOC tritt n-Butanol in Trocknerabluft von Lackier- und Druckprozessen auf. Im Gegensatz zu Methanol oder Ethanol ist es nur teilweise wassermischbar, weshalb reine Wasserwäsche als alleiniges Verfahren meist nicht ausreicht.

Dissolver in einer Lackfabrik mit ringförmigen Absaughauben über den offenen Mischbehältern, davor Fässer und IBC-Container mit Farbspritzern
Beim Anmischen lösemittelhaltiger Lacke verdunstet n-Butanol aus offenen Dissolvern; Ringabsaugungen erfassen die Dämpfe am Behälterrand.
Verfahren für n-Butanol klären +49 (0)7128 380 3050 Erstgespräch kostenfrei und herstellerunabhängig
Auch bekannt als
1-Butanol, Butylalkohol, n-Butyl alcohol (engl.)
Formel
C₄H₁₀O
CAS-Nummer
71-36-3
Stoffgruppe
Lösemittel & VOC · verwandte Stoffe: n-Hexan, n-Propanol, Naphtha

Typische Quellen LackieranlagenChemie & VerfahrenstechnikDruckindustrie

Steckbrief n-Butanol (C₄H₁₀O): Grenzwerte, Verfahrenseignung und typische Quellen Grenzwerte: TA Luft, Nr. 5.2.5 Organischer Stoff — Klassenzuordnung stoffspezifisch zu prüfen (Emissionsgrenzwert abhängig von zugeordneter Klasse I bis III). Geeignete Verfahren: RTO (Regenerative Thermische Oxidation), TNV (Thermische Nachverbrennung), KNV (Katalytische Nachverbrennung), Aktivkohle mit Lösemittelrückgewinnung. Ungeeignet: Wasserwäscher (als alleiniges Verfahren), weil n-Butanol ist im Unterschied zu Methanol oder Ethanol nur begrenzt wassermischbar — ab einer gewissen Konzentration bildet sich eine zweite, butanolreiche Phase auf dem Wasser, statt dass sich der Stoff weiter löst. Für sich allein reicht die Wäsche deshalb meist nicht zur sicheren und dauerhaften Einhaltung von Emissionsgrenzwerten. Wird sie dennoch eingesetzt, ist in der Regel eine Nachbehandlung oder Abtrennung der aufschwimmenden organischen Phase erforderlich, was den apparativen Aufwand gegenüber einem einstufigen Wäscher deutlich erhöht.. Typische Quellen: Lackieren & Oberfläche, Chemie & Verfahrenstechnik, Druckindustrie. Auch bekannt als 1-Butanol, Butylalkohol, n-Butyl alcohol (engl.). CAS-Nummer 71-36-3. n-Butanol C₄H₁₀O CAS 71-36-3 · Steckbrief aus den Regelwerken dieser Seite Grenzwerte TA Luft, Nr. 5.2.5 Organischer Stoff — Klassenzuordnung stoffspezifisch zu prüfen Verfahren Geeignet (4) Ungeeignet (1) RTO (Regenerative Thermische Oxidation) TNV (Thermische Nachverbrennung) KNV (Katalytische Nachverbrennung) Aktivkohle mit Lösemittelrückgewinnung Wasserwäscher (als alleiniges Verfahren) n-Butanol ist im Unterschied zu Methanol oderEthanol nur begrenzt wassermischbar — ab einer … Typische Quellen Lackieren & Oberfläche Chemie & Verfahrenstechnik Druckindustrie

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Steckbrief n-Butanol: Grenzwerte und Verfahrenseignung aus den auf dieser Seite genannten Regelwerken.

n-Butanol ist ein vierwertiger Alkohol und ein weit verbreitetes Lösemittel in Lack-, Druck- und Klebstoffindustrie. Anders als die vollständig wassermischbaren Alkohole Methanol und Ethanol ist n-Butanol nur begrenzt wasserlöslich — ein wichtiger Unterschied für die Verfahrenswahl bei der Abluftreinigung.

Definition & Eigenschaften

EigenschaftWert
Chemische FormelC₄H₁₀O (C₄H₉OH)
Molare Masse74,12 g/mol
Siedepunkt117,7 °C
Flammpunktca. 35 °C
Wasserlöslichkeitbegrenzt mischbar
Geruchtypisch alkoholisch, leicht fuselig

Mit vier Kohlenstoffatomen ist n-Butanol der längstkettige der hier betrachteten Alkohole. Die zusätzliche Kettenlänge gegenüber n-Propanol senkt die Wasserlöslichkeit spürbar — n-Butanol mischt sich nur noch teilweise mit Wasser und bildet ab einer gewissen Konzentration eine eigene organische Phase. Für die Verfahrenswahl kehrt sich damit das Bild gegenüber Aceton um: Was bei Aceton für den Wäscher spricht, spricht bei n-Butanol für die Aktivkohle-Adsorption.

Wie Kettenlänge und Polarität die Verfahrenswahl verändern

n-Butanol markiert das Ende der Reihe der hier betrachteten polaren Lösemittel: Aceton mit der kürzesten Kette und der höchsten Flüchtigkeit, gefolgt von Ethanol und n-Propanol mit graduell abnehmender Wasserlöslichkeit, und schließlich n-Butanol mit der längsten Kette und der geringsten Wasserlöslichkeit dieser Gruppe. Genau dieser Trend kehrt sich bei der Aktivkohle-Eignung um: Je länger die Kohlenstoffkette, desto stärker die Bindung über Van-der-Waals-Kräfte an die Kohleoberfläche. n-Butanol lässt sich dadurch deutlich zuverlässiger und mit längeren Standzeiten adsorptiv abscheiden als Ethanol oder gar Aceton — während der Wäscher, der bei Aceton noch technisch möglich ist, bei n-Butanol wegen der begrenzten Wasserlöslichkeit als alleiniges Verfahren ausscheidet.

Grenzwerte nach TA Luft

n-Butanol ist als organischer Stoff von TA Luft Nr. 5.2.5 erfasst. Die konkrete Klassenzuordnung (Klasse I bis III) ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen, ebenso der Arbeitsplatzgrenzwert nach TRGS 900. Die rechtssichere Einordnung übernimmt unsere unabhängige Abluftberatung.

Gesundheitsgefahren

  • Reizwirkung: Augen-, Haut- und Atemwegsreizung, insbesondere bei Daueraussetzung
  • Narkotische Wirkung: Kopfschmerzen und Schwindel bei hoher Konzentration
  • Hautschäden: Entfettung bei wiederholtem Kontakt
  • Brand-/Explosionsgefahr: mittlerer Flammpunkt, dennoch entzündlich

n-Butanol in der Industrie

  • Lack- und Beschichtungsindustrie: Verdünner und Koaleszenzmittel zur Verlaufsverbesserung in Lacken und Dispersionsfarben
  • Druckindustrie: Bestandteil von Verdünnungsmitteln für Druckfarben
  • Weichmacher- und Acrylatsynthese: Ausgangsstoff für Butylacrylat, einen zentralen Baustein für Beschichtungspolymere und Weichmacher
  • Chemische Industrie: Zwischenprodukt der Butylacrylat-Herstellung für Beschichtungspolymere
  • Hydrauliköl- und Bremsflüssigkeit-Komponente: Bestandteil bestimmter Hydraulikflüssigkeiten und Bremsflüssigkeitsrezepturen

Verwandte Lösemittel aus der Butanol-Chemie

n-Butanol ist Ausgangsstoff für zwei weitere in der Abluft relevante C4-Verbindungen: Butylacetat entsteht durch Veresterung von n-Butanol mit Essigsäure und ist ein verbreitetes Lösemittel in Lacken und Klebstoffen; Butylglykol (2-Butoxyethanol) entsteht durch Umsetzung mit Ethylenoxid und dient vor allem als Lösemittelvermittler in wasserbasierten Beschichtungssystemen. In der Praxis treten alle drei Stoffe häufig gemeinsam in derselben Rohgasmatrix auf, etwa in der Trocknerabluft von Lackieranlagen — eine gemeinsame Rohgasanalyse vor der Verfahrensauswahl ist deshalb sinnvoll.

Abluftreinigung — So wird n-Butanol entfernt

  • RTO / TNV: Vollständige Oxidation, Standard bei größeren Lösemittelmengen
  • KNV: Möglich bei mittleren Konzentrationen ohne Katalysatorgifte im Rohgas
  • Aktivkohle mit Rückgewinnung: Etabliert bei definierten Lösemittelgemischen aus Lackierung und Druck — die vergleichsweise starke Bindung an die Kohleoberfläche sorgt für gute Standzeiten und macht die Desorption zur Rückgewinnung wirtschaftlich attraktiv

Welche Verfahren ausscheiden — und warum

Wasserwäscher als alleiniges Verfahren scheiden bei n-Butanol praktisch aus: Die begrenzte Wasserlöslichkeit führt dazu, dass sich ab einer gewissen Konzentration eine zweite, butanolreiche Phase auf dem Wasser bildet, statt dass sich der Stoff weiter löst. Ein einstufiger Wäscher stellt sich dadurch auf ein Gleichgewicht ein, das für die verlässliche Einhaltung von Emissionsgrenzwerten nicht ausreicht. Wird ein Wäscher dennoch eingesetzt, etwa als Vorstufe bei sehr hohen Frachten, ist eine Nachbehandlung oder Abtrennung der aufschwimmenden organischen Phase erforderlich — das erhöht den apparativen Aufwand gegenüber der thermischen Oxidation oder der Aktivkohle-Adsorption deutlich.

Praxisfall: Wäscher-Auslegung, die an der Phasentrennung scheitert

Ein wiederkehrendes Muster bei Lackieranlagen, die für ein Lösemittelgemisch aus n-Butanol und anderen VOC ursprünglich einen einfachen Wasserwäscher vorsahen: Die Planung ging von einer vollständigen Löslichkeit aus, wie sie bei Ethanol oder Aceton zutrifft — im Betrieb zeigte sich jedoch eine aufschwimmende organische Schicht im Waschwasserbehälter, sobald die n-Butanol-Konzentration über einen bestimmten Punkt stieg. Die Abscheideleistung blieb in der Folge hinter der Erwartung zurück, weil ein Teil des n-Butanols in der aufschwimmenden Phase gebunden war, statt im Waschwasser gelöst zu sein und aus dem System ausgetragen zu werden. Die praktische Lehre: Bei Lösemittelgemischen mit relevantem n-Butanol-Anteil ist vorab zu prüfen, ob die Wasserlöslichkeit im Betriebspunkt tatsächlich ausreicht, oder ob von vornherein auf Aktivkohle-Adsorption oder thermische Oxidation umgestellt werden sollte.

n-Butanol messen

n-Butanol wird per Gaschromatographie (FID) oder PID erfasst. Bei Mischabluft mit anderen Alkoholen und Estern aus Lack- oder Druckprozessen ist eine differenzierte Rohgasanalyse vor der Verfahrensauswahl sinnvoll: Emissionsmessungen.

Häufige Fragen

Warum lässt sich n-Butanol schlechter waschen als Ethanol?

Weil n-Butanol nur begrenzt wassermischbar ist, während Ethanol und Methanol vollständig mit Wasser mischbar sind. Die längere, unpolarere Kohlenstoffkette senkt die Wasserlöslichkeit deutlich und führt ab einer gewissen Konzentration zur Bildung einer zweiten Phase.

In welchen Prozessen entsteht n-Butanol-Abluft?

Vor allem in Trocknern nach Lackierung und Druck sowie bei der Herstellung und Verarbeitung von Butylacrylat und anderen Acrylatestern. Auch als Komponente in Hydraulikölen und Bremsflüssigkeiten spielt n-Butanol eine Rolle.

Welcher Grenzwert gilt für n-Butanol nach TA Luft?

n-Butanol fällt als organischer Stoff unter TA Luft Nr. 5.2.5. Die konkrete Klassenzuordnung und damit der genaue Emissionsgrenzwert ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen.

Warum eignet sich Aktivkohle bei n-Butanol besser als bei kurzkettigen Lösemitteln wie Ethanol oder Aceton?

Mit wachsender Kohlenstoffkette steigt die Bindungsstärke an Aktivkohle über stärkere Van-der-Waals-Wechselwirkungen. n-Butanol hat von den vier hier betrachteten polaren Lösemitteln die längste Kette und lässt sich dadurch am zuverlässigsten adsorptiv abscheiden — genau umgekehrt zum sehr flüchtigen, kurzkettigen Aceton.

Was sind Butylacetat und Butylglykol, und wie hängen sie mit n-Butanol zusammen?

Butylacetat und Butylglykol sind beides C4-Verbindungen aus derselben Butanol-Chemie — Butylacetat entsteht durch Veresterung von n-Butanol mit Essigsäure, Butylglykol durch Umsetzung mit Ethylenoxid. Alle drei Stoffe treten häufig gemeinsam in Lack- und Beschichtungsprozessen auf.

Wo liegt n-Butanol in der Kettenlängen-Reihe der hier betrachteten Lösemittel?

n-Butanol bildet mit vier Kohlenstoffatomen das obere Ende der Reihe Aceton, Ethanol, n-Propanol, n-Butanol — es hat die geringste Wasserlöslichkeit, dafür aber die beste Eignung für die Aktivkohle-Adsorption.

Kann n-Butanol zurückgewonnen werden?

Ja, über Aktivkohle-Adsorption mit anschließender Desorption. Wegen der guten Bindung an Aktivkohle ist die Standzeit gegenüber kurzkettigen Alkoholen deutlich höher, was die Rückgewinnung bei größeren, definierten Lösemittelmengen wirtschaftlich attraktiv macht.

Quellen und Regelwerke

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