Abluftreinigung: Druckindustrie
Fachlich verantwortlich: Stefan Stooß, Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik · Stand: 08. September 2026
Flexo- und Tiefdruck arbeiten mit lösemittelhaltigen Druckfarben, deren VOC-Emissionen sich bei ausreichender Konzentration wirtschaftlich per Aktivkohle zurückgewinnen lassen. Bei kontinuierlichem Betrieb und hohen Frachten übernehmen thermische Verfahren wie RTO oder TNV die Oxidation, schwach beladene Ströme werden per Zeolithrotor aufkonzentriert. UV-Härtungsanlagen erzeugen zusätzlich Ozon, das katalytisch zersetzt oder über Aktivkohle gebunden wird. Bei relevanten Lösemittelverbräuchen greift die Bilanzpflicht der 31. BImSchV.

Abluft in Druckereien entsteht entlang der Bahn: Flexo- und Tiefdruckwerke tragen lösemittelhaltige Farbe auf und geben dabei einen Teil des Lösemittels sofort frei, Kaschierung und Laminierung setzen Kleberdämpfe frei, UV-Härtungsanlagen für Druckfarben und Lacke erzeugen zusätzlich Ozon, die Trocknung der bedruckten Bahnen treibt den Großteil des restlichen Lösemittels aus, und die Reinigung der Druckwerke zwischen Auftragswechseln ist eine eigene, oft unterschätzte diffuse Quelle. Auch der Farbansatz und -wechsel im Vorbereich, wo Lösemittel und Farbkonzentrat gemischt werden, trägt zur Gesamtfracht bei, auch wenn er selten separat betrachtet wird.
Die Besonderheit der Druckindustrie liegt darin, dass die Lösemittelfracht hier oft so hoch und die eingesetzten Gemische so definiert sind, dass sich eine Rückgewinnung wirtschaftlich rechnet — anders als in vielen Branchen, in denen das Lösemittel nur entsorgt wird. Das verändert die gesamte Kalkulation: Es geht nicht nur um Emissionsminderung, sondern um einen möglichen Wertstoffkreislauf. Gleichzeitig wechseln Druckmaschinen häufig Auftrag und Farbwerk, was die Rohgaszusammensetzung kurzfristig verändert und die Reinigungsanlage auf wechselnde Lastprofile vorbereiten muss, nicht auf einen einzelnen Betriebspunkt.
Genau diese Rückgewinnungslogik verschiebt die Verfahrenswahl gegenüber anderen VOC-Branchen. Wo die Konzentration für eine wirtschaftliche Rückgewinnung ausreicht, ist Aktivkohleadsorption oft die erste Wahl — vorausgesetzt, die Konzentration bleibt im Bereich, in dem sich die Aktivkohle nicht zu schnell erschöpft und Standzeit sowie Entsorgungskosten nicht die Wirtschaftlichkeit auffressen. Bei hohen, kontinuierlichen Frachten mit ausreichenden Betriebsstunden ist dagegen die RTO im Vorteil, weil ihre hohe Wärmerückgewinnung die laufenden Kosten senkt. Schwach beladene Ströme aus Kaschierung und Trocknung lohnen sich für keine der beiden Techniken direkt — hier wird häufig ein Zeolithrotor vorgeschaltet, der das Rohgas aufkonzentriert, bevor es in eine kleinere thermische Stufe geht. Ozon aus der UV-Härtung ist ein eigenständiges Problem, das die genannten Verfahren nicht mit abdecken — es braucht eine separate katalytische Zersetzung oder Aktivkohle.
Zur Anfrage führt in der Druckindustrie besonders oft der Energiekosten-Hebel: Wenn sich eine Lösemittelrückgewinnung rechnerisch amortisiert, wird aus einer reinen Pflichtinvestition ein wirtschaftliches Projekt. Daneben sind Maschinenwechsel oder -erweiterungen ein klassischer Anlass, weil eine neue Druckmaschine oft eine höhere oder anders zusammengesetzte Lösemittelfracht mitbringt als die bestehende Reinigungsanlage verkraftet. Genehmigungsauflagen im Rahmen der 31. BImSchV kommen als dritter, eher formaler Anlass hinzu, ebenso der einfache Fall, dass eine bestehende Anlage altersbedingt an ihre Wirtschaftlichkeitsgrenze kommt und ein Ersatz ansteht.
Am Anfang jeder Anfrage klären wir deshalb, welches Lösemittel eingesetzt wird, in welcher Konzentration es typischerweise anfällt, und ob eine Rückgewinnung wirtschaftlich realistisch ist. Details zu Xylol als typischem Leitschadstoff finden sich auf der Schadstoffseite, zu den Verfahren im Einzelnen auf den Seiten zur RTO und zur thermischen Nachverbrennung.
Weil Druckmaschinen und ihre Reinigungsanlagen oft über viele Jahre im Wechselbetrieb laufen, lohnt sich bei bestehenden Anlagen vorab ein Energieeffizienz-Check, der zeigt, ob eine vorhandene RTO oder TNV noch zum aktuellen Lösemittelverbrauch passt oder mittlerweile überdimensioniert läuft. Wird eine Anlage ersetzt statt nachgerüstet, ist auch ein Blick in unsere Anlagenbörse einen Vergleich wert, da sich gebrauchte RTO- und TNV-Anlagen in der Druckindustrie wegen der vergleichsweise standardisierten Lösemittelgemische oft gut übertragen lassen. Unsere unabhängige Abluftberatung rechnet Rückgewinnung gegen reine Entsorgung durch, ein erster Kostenrahmen findet sich im Angebotsvergleich.
Zum Ansehen seitlich wischen
Typische Emissionsquellen
- Flexodruck und Tiefdruck mit Lösemitteldruckfarben
- Kaschierung und Laminierung
- UV-Härtung von Druckfarben und Lacken
- Trocknung bedruckter Bahnen
- Reinigung von Druckwerken
Leitschadstoffe
Alle Stoffe dieser Branche mit geeigneten und ungeeigneten Verfahren: Schadstoff-Finder (Filter „Branche").
Verfahren im Branchenkontext
| Verfahren | Eignung |
|---|---|
| Aktivkohleadsorption mit Lösemittelrückgewinnung Aktivkohle-Überwachung → | Geeignet, wenn das eingesetzte Lösemittel wirtschaftlich zurückgewonnen werden kann — im Flexo- und Tiefdruck oft der Fall, da die Farben definierte Lösemittelgemische enthalten. |
| Regenerative Thermische Oxidation (RTO) RTO-Anlage → | Geeignet bei kontinuierlichem Betrieb mit hohen Betriebsstunden und ausreichender Konzentration für einen wirtschaftlichen Betrieb. |
| Zeolithrotor-Aufkonzentrierung Aktivkohle-Überwachung → | Geeignet bei großen, schwach beladenen Volumenströmen aus Kaschierung und Trocknung — reichert das Rohgas an, sodass die nachgeschaltete thermische Stufe kleiner ausfallen kann. |
| Katalytische Zersetzung / Aktivkohle für Ozon Katalytische Nachverbrennung → | Geeignet zur Ozonabscheidung aus UV-Härtungsanlagen, etwa über MnO₂-Katalysatoren oder Aktivkohle. |
Fallbeispiele aus der Branche
Anonymisierte Projekte mit vergleichbarer Ausgangslage — auf Kundenwunsch ohne Firmennamen, dafür mit den Kennzahlen, auf die es ankommt.
Tiefdruckerei Schweiz
Toluol-haltige Abluft mit hohen Konzentrationen. Wirtschaftliches Interesse an Lösemittelrückgewinnung.
- Emissionen
- < 15 mg/m³
- Energie
- 80% Lösemittel zurückgewonnen
- Verfügbarkeit
- > 98%
Verpackungsdruckerei Sachsen
Flexodruck mit stark schwankenden Lösemittelemissionen. Kurze Amortisationszeit gefordert. Hohe Anforderungen an Anlagenverfügbarkeit.
- Emissionen
- < 20 mg/m³
- Energie
- 45% Energiekosten
- Verfügbarkeit
- > 99,5%
Häufige Fragen
Lohnt sich Lösemittelrückgewinnung im Flexodruck?
Häufig ja, weil die eingesetzten Lösemittel meist definierte Gemische sind und sich per Aktivkohleadsorption wirtschaftlich zurückgewinnen lassen. Ob es sich im Einzelfall lohnt, hängt von Frachthöhe, Betriebsstunden und Lösemittelpreis ab.
Woher kommt Ozon in Druckereien?
Ozon entsteht bei UV-Härtung von Druckfarben und Lacken sowie bei Corona-Vorbehandlung von Folien. Es wird meist katalytisch zersetzt oder über Aktivkohle gebunden.
Welches Verfahren passt zu Tiefdruckmaschinen?
Bei hohen, kontinuierlichen Lösemittelfrachten meist thermische Oxidation (RTO), bei wirtschaftlich rückgewinnbaren Lösemitteln Aktivkohleadsorption. Schwach beladene Hallenabluft wird oft per Zeolithrotor vorkonzentriert.
Gilt die 31. BImSchV auch für Druckereien?
Ja, sofern die Lösemittelverbrauchsschwellen der Verordnung erreicht werden. Betroffen sind vor allem Flexo- und Tiefdruckbetriebe mit lösemittelhaltigen Farben.
Quellen und Regelwerke
- 31. BImSchV (Lösemittelverordnung)
- TA Luft 2021 (Volltext, verwaltungsvorschriften-im-internet.de) — Nr. 5.2.5
- BVT-Merkblätter und BVT-Schlussfolgerungen (EU, EIPPCB) — Stand der Technik je Branche
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