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STOOSS Abluftconsulting
Schadstoff

Dimethylsulfid (DMS)

Fachlich verantwortlich: Stefan Stooß, Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik · Stand: 24. Oktober 2026

Dimethylsulfid (DMS) ist eine schwefelhaltige, stark geruchsintensive Verbindung mit einer sehr niedrigen Geruchsschwelle und einem an faulen Kohl erinnernden Geruch. Es entsteht unter anderem in der Zellstoff- und Papierindustrie, bei der Abwasserbehandlung und in der Lebensmittelverarbeitung. Als schwefelhaltige Verbindung ist Dimethylsulfid Katalysatorgift für die katalytische Nachverbrennung; bei thermischer Behandlung entsteht Schwefeldioxid (SO₂), das eine nachgeschaltete Wäsche erfordert.

Außenansicht eines Zellstoffwerks mit Kochern, Eindampfanlage, Rohrleitungen und Kamin bei bedecktem Himmel
In der Zellstoffproduktion entsteht Dimethylsulfid beim Holzaufschluss und prägt mit seiner niedrigen Geruchsschwelle das Umfeld solcher Standorte.
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Auch bekannt als
DMS, Methylthiomethan, Dimethyl sulfide (engl.)
Formel
C₂H₆S
CAS-Nummer
75-18-3
Stoffgruppe
Geruchsstoffe · verwandte Stoffe: Geruchsstoffe, Mercaptane, Amine

Typische Quellen Chemie & VerfahrenstechnikAbfall- & RecyclinganlagenLebensmittelindustrie

Steckbrief Dimethylsulfid (DMS) (C₂H₆S): Grenzwerte, Verfahrenseignung und typische Quellen Auf dieser Seite sind keine stoffspezifischen Grenzwerte hinterlegt. Geeignete Verfahren: Biofilter/Biowäscher, Imprägnierte/dotierte Aktivkohle, Chemische Wäsche (z. B. oxidative Wäsche), TNV (Thermische Nachverbrennung) mit nachgeschalteter SO₂-Wäsche. Ungeeignet: KNV/RCO (Katalytische Nachverbrennung), weil Schwefel ist ein klassisches Katalysatorgift. Dimethylsulfid und andere Schwefelverbindungen belegen die aktiven Zentren des Katalysators dauerhaft und deaktivieren ihn — die KNV scheidet für schwefelhaltige Rohgase praktisch immer aus.; Reine, unimprägnierte Aktivkohle, weil Unspezifische Aktivkohle hat für schwefelhaltige Verbindungen wie Dimethylsulfid oft nur eine begrenzte Kapazität und geringe Standzeit. Der übliche Weg für einen wirtschaftlich sinnvollen Aktivkohleeinsatz ist imprägnierte bzw. dotierte Aktivkohle, die gezielt auf die Bindung von Schwefelverbindungen ausgelegt ist.; Thermische Oxidation ohne nachgeschaltete SO₂-Wäsche, weil Die thermische Oxidation setzt Dimethylsulfid chemisch vollständig um, erzeugt dabei aber Schwefeldioxid (SO₂) als Reaktionsprodukt. Ohne eine nachgeschaltete SO₂-Wäsche würde die Anlage lediglich ein Schadstoffproblem in ein anderes verwandeln — ein zweistufiges Konzept ist deshalb notwendig, nicht optional.. Typische Quellen: Chemie & Verfahrenstechnik, Abfall & Recycling, Lebensmittel. Der Stoff ist als kritisch eingestuft. Auch bekannt als DMS, Methylthiomethan, Dimethyl sulfide (engl.). CAS-Nummer 75-18-3. Dimethylsulfid (DMS) C₂H₆S CAS 75-18-3 · Steckbrief aus den Regelwerken dieser Seite · kritischer Stoff Grenzwerte Auf dieser Seite sind keine stoffspezifischen Grenzwerte hinterlegt. Verfahren Geeignet (4) Ungeeignet (3) Biofilter/Biowäscher Imprägnierte/dotierte Aktivkohle Chemische Wäsche (z. B. oxidative Wäsche) TNV (Thermische Nachverbrennung) mit nachg… KNV/RCO (Katalytische Nachverbrennung) Schwefel ist ein klassisches Katalysatorgift.Dimethylsulfid und andere Schwefelverbindungen … Reine, unimprägnierte Aktivkohle Unspezifische Aktivkohle hat für schwefelhaltigeVerbindungen wie Dimethylsulfid oft nur eine … Thermische Oxidation ohne nachgeschaltete S… Die thermische Oxidation setzt Dimethylsulfidchemisch vollständig um, erzeugt dabei aber … Typische Quellen Chemie & Verfahrenstechnik Abfall & Recycling Lebensmittel

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Steckbrief Dimethylsulfid (DMS): Grenzwerte und Verfahrenseignung aus den auf dieser Seite genannten Regelwerken.

Dimethylsulfid (DMS) ist eine schwefelhaltige, stark geruchsintensive Verbindung mit einer der niedrigsten Geruchsschwellen unter den industriell relevanten Stoffen. Für die Abluftreinigung zählt deshalb weniger die Masse als die Wahrnehmungsschwelle — und der Schwefel im Molekül, der bestimmte Verfahren von vornherein ausschließt.

Definition & Eigenschaften

EigenschaftWert
Chemische FormelC₂H₆S ((CH₃)₂S)
Molare Masse62,13 g/mol
Siedepunkt37 °C
Geruchsschwelleeine der niedrigsten unter den industriell relevanten Stoffen
Vorkommen in der Ablufttypischer Geruchsstoff mit Schwefelanteil

Eigenschaften, die die Verfahrenswahl bestimmen

Zwei Eigenschaften prägen die Verfahrenswahl bei Dimethylsulfid grundlegend: die extrem niedrige Geruchsschwelle und der Schwefel im Molekül. Die Geruchsschwelle liegt weit unterhalb der toxikologisch relevanten Konzentration — Nachbarschaftsbeschwerden treten also typischerweise auf, lange bevor eine gesundheitliche Gefährdung überhaupt zur Debatte steht. Der Schwefel wiederum macht Dimethylsulfid zu einem klassischen Katalysatorgift: Schwefelverbindungen belegen die aktiven Zentren gängiger Katalysatoren und deaktivieren sie dauerhaft, weshalb die katalytische Nachverbrennung für schwefelhaltige Rohgase praktisch immer ausscheidet. Bei thermischer Behandlung entsteht zudem Schwefeldioxid (SO₂) als Reaktionsprodukt — ein Punkt, der die Verfahrensauslegung direkt beeinflusst.

Grenzwerte nach TA Luft

Dimethylsulfid ist als organischer Stoff von TA Luft Nr. 5.2.5 erfasst. Die konkrete Klassenzuordnung ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen. Zusätzlich zur Massenbetrachtung ist wegen der extrem niedrigen Geruchsschwelle häufig eine olfaktometrische Bewertung nach Anhang 7 relevant. Die rechtssichere Einordnung übernimmt unsere unabhängige Abluftberatung.

Gesundheitsgefahren

  • Reizwirkung: Augen- und Atemwegsreizung bei höherer Konzentration
  • Belästigung: die extrem niedrige Geruchsschwelle führt schon bei geringsten Emissionen zu Nachbarschaftsbeschwerden
  • Kopfschmerzen und Übelkeit: bei anhaltender Geruchsbelastung berichtet

Wo Dimethylsulfid im Betrieb entsteht

  • Zellstoff- und Papierindustrie: Nebenprodukt des Kraft-Aufschlussverfahrens — der typische „Papierfabrik-Geruch” ist maßgeblich auf Methylmercaptan und Dimethylsulfid zurückzuführen, die beim Aufschluss des Holzes entstehen.
  • Kläranlagen und Abwasserbehandlung: Beim anaeroben Abbau schwefelhaltiger organischer Verbindungen in Faultürmen und Schlammbehandlung entsteht Dimethylsulfid als typisches Reduced-Sulfur-Compound.
  • Lebensmittelverarbeitung: Als natürlicher Aromastoff in geringen Mengen unauffällig, in höherer Konzentration Geruchsproblem — etwa bei der Fischverarbeitung oder der Kompostierung von Kohlgemüse.

Wie Dimethylsulfid gemessen wird

Wegen der extrem niedrigen Wahrnehmungsschwelle wird die Geruchswirkung olfaktometrisch nach DIN EN 13725 erfasst (Olfaktometrie); für die stoffliche Einzelbestimmung kommt Gaschromatographie mit schwefelspezifischer Detektion zum Einsatz. Eine typische Fehlerquelle ist, sich allein auf die Massenkonzentration zu verlassen: Weil die Geruchsschwelle so weit unterhalb toxikologisch relevanter Werte liegt, kann eine Anlage die Emissionsgrenzwerte formal einhalten und trotzdem erhebliche Geruchsbeschwerden auslösen — die olfaktometrische Bewertung ist deshalb kein optionales Extra: Emissionsmessungen.

Abluftreinigung — So wird Dimethylsulfid entfernt

  • Biofilter/Biowäscher: An Kläranlagen und in der Kompostierung oft die wirtschaftlich naheliegende Option bei kontinuierlicher, mäßiger Fracht. Wichtige Einschränkung: Dimethylsulfid ist biologisch schwerer abbaubar als Schwefelwasserstoff (H₂S) — die Bemessung des Filters muss diesen Unterschied berücksichtigen, ein für H₂S ausgelegter Biofilter ist für DMS nicht automatisch ausreichend.
  • Imprägnierte/dotierte Aktivkohle: Der übliche Weg, wenn eine adsorptive Lösung gewünscht ist. Unspezifische, unimprägnierte Aktivkohle hat für Schwefelverbindungen wie Dimethylsulfid oft nur begrenzte Kapazität.
  • Chemische Wäsche: Oxidative Wäsche baut Schwefelverbindungen gezielt ab und ist unabhängig von der biologischen Abbaubarkeit wirksam.
  • TNV mit nachgeschalteter SO₂-Wäsche: Vollständige Zerstörung bei hohen Frachten. Da bei der Verbrennung Schwefeldioxid entsteht, ist eine nachgeschaltete Wäsche notwendiger Bestandteil des Konzepts, nicht nur eine Option für Sonderfälle.

Details zu verwandten Schwefelverbindungen: Schwefelwasserstoff (H₂S) und Mercaptane. Zur Stoffgruppe der Reaktionsprodukte siehe Schwefeloxide (SOx). Einen Überblick über alle Verfahren gibt unsere Seite zur Abluftreinigung.

Welche Verfahren ausscheiden — und warum

Katalytische Nachverbrennung (KNV/RCO): Schwefel ist ein klassisches Katalysatorgift. Dimethylsulfid belegt die aktiven Zentren des Katalysators dauerhaft und deaktiviert ihn irreversibel — bei schwefelhaltigem Rohgas scheidet die KNV praktisch immer aus, unabhängig von Konzentration oder Volumenstrom.

Reine, unimprägnierte Aktivkohle: Unspezifische Aktivkohle bindet Dimethylsulfid nur begrenzt und erreicht dadurch kurze Standzeiten mit entsprechend hohem Austauschaufwand. Wirtschaftlich sinnvoll wird die Adsorption erst mit imprägnierter bzw. dotierter Aktivkohle, die gezielt auf Schwefelverbindungen ausgelegt ist.

Thermische Oxidation ohne nachgeschaltete SO₂-Wäsche: Die thermische Oxidation setzt Dimethylsulfid chemisch vollständig um, erzeugt dabei aber Schwefeldioxid als Reaktionsprodukt. Eine Anlage, die nur die thermische Stufe vorsieht, verwandelt ein Geruchsproblem in ein SO₂-Emissionsproblem — notwendig ist deshalb ein zweistufiges Konzept aus thermischer Oxidation und nachgeschalteter Wäsche.

Praxisfall: Der Biofilter, der bei Dimethylsulfid an seine Grenzen kommt

Ein wiederkehrendes Muster an Kläranlagen, die ihren Biofilter ursprünglich auf Schwefelwasserstoff ausgelegt haben: Die Anlage funktioniert über Jahre zuverlässig, dann ändert sich die Zusammensetzung des Faulgases — etwa durch eine neue Abwasserfracht mit höherem organischem Schwefelanteil — und der Geruchsdurchbruch nimmt zu, obwohl die Schadstofffracht insgesamt nicht gestiegen ist. Der Grund liegt oft darin, dass der neu hinzugekommene Anteil an Dimethylsulfid biologisch schwerer abbaubar ist als das Schwefelwasserstoff, auf das der Filter ursprünglich dimensioniert wurde — bei gleicher Verweilzeit im Filterbett reicht der Abbau für DMS nicht mehr aus. Die Lehre: Ein Biofilter, der für H₂S ausgelegt wurde, braucht bei einer Verschiebung hin zu Dimethylsulfid eine Neubewertung der Verweilzeit, nicht nur eine höhere Frachtannahme.

Häufige Fragen

Wonach riecht Dimethylsulfid?

Typischerweise nach faulem Kohl oder Meer — der Geruch ist schon in sehr geringen Konzentrationen wahrnehmbar. Dimethylsulfid zählt damit zu den klassischen Reduced-Sulfur-Compounds, die für Geruchsbeschwerden in Industrie und Kläranlagen verantwortlich sind.

Warum eignet sich die katalytische Nachverbrennung nicht für Dimethylsulfid?

Schwefel ist ein klassisches Katalysatorgift. Dimethylsulfid belegt die aktiven Zentren des Katalysators dauerhaft und deaktiviert ihn.

Welcher Grenzwert gilt für Dimethylsulfid nach TA Luft?

Dimethylsulfid fällt als organischer Stoff unter TA Luft Nr. 5.2.5. Die konkrete Klassenzuordnung ist stoffspezifisch und im Einzelfall zu prüfen.

Warum braucht die thermische Oxidation bei Dimethylsulfid eine nachgeschaltete Wäsche?

Bei der thermischen Oxidation wird der Schwefel im Molekül nicht entfernt, sondern zu Schwefeldioxid (SO₂) umgewandelt. Ohne nachgeschaltete SO₂-Wäsche würde SO₂ ungereinigt emittiert — ein zweistufiges Konzept aus thermischer Stufe und Wäsche ist deshalb der übliche Weg.

Warum ist unspezifische Aktivkohle bei Dimethylsulfid oft keine gute Lösung?

Reine Aktivkohle ohne Imprägnierung hat für Schwefelverbindungen wie Dimethylsulfid häufig nur eine begrenzte Aufnahmekapazität, was zu kurzen Standzeiten führt. Imprägnierte bzw. dotierte Aktivkohle ist der übliche Weg, wenn eine adsorptive Lösung gewünscht ist.

Ist Dimethylsulfid leichter biologisch abbaubar als Schwefelwasserstoff?

Nein, eher umgekehrt. Dimethylsulfid gilt als biologisch schwerer abbaubar als Schwefelwasserstoff (H₂S) — ein wichtiger Unterschied, wenn eine Kläranlage oder Kompostierungsanlage auf biologische Verfahren setzt und die Verweilzeit bzw. Bemessung des Biofilters festlegt.

Warum ist die Geruchsschwelle von Dimethylsulfid für die Praxis so wichtig?

Dimethylsulfid zählt zu den Stoffen mit einer der niedrigsten Geruchsschwellen unter den industriell relevanten Verbindungen — weit unterhalb der toxikologisch relevanten Konzentration. Nachbarschaftsbeschwerden können deshalb schon bei Emissionen auftreten, die aus rein toxikologischer Sicht unbedenklich wären.

Quellen und Regelwerke

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