PM10 und PM2,5
Fachlich verantwortlich: Stefan Stooß, Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik · Stand: 24. Oktober 2026
PM10 und PM2,5 bezeichnen Feinstaubfraktionen nach Partikelgröße — Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser unter 10 beziehungsweise 2,5 Mikrometer.

Auch: Feinstaubparticulate matterPM₁₀PM₂,₅
Zum Ansehen seitlich wischen
PM steht für particulate matter; die Zahl im Namen ist keine Konzentrationsangabe, sondern die Korngrößen-Obergrenze der jeweiligen Fraktion in Mikrometern (µm). PM2,5 ist damit eine Teilmenge von PM10, nicht ein eigenständiger, davon unabhängiger Staubtyp.
Abgrenzung zum Gesamtstaub
Die TA Luft begrenzt emissionsseitig den Gesamtstaub — also die Masse aller Partikel unabhängig von ihrer Größe, gravimetrisch am Filter bestimmt (Nr. 5.2.1). PM10 und PM2,5 sind dagegen immissionsseitige Kenngrößen: Sie beschreiben, welcher Anteil der in der Umgebungsluft schwebenden Partikel lungengängig ist. Ein Emittent wird also über den Gesamtstaub-Grenzwert reguliert, während PM10/PM2,5 die Größen sind, an denen die Immissionsbelastung in der Nachbarschaft gemessen und bewertet wird — die konkreten Immissionswerte dafür erklärt unser Ratgeber Immissionsschutz: Pflichten für Industriebetriebe. Details zu Quellen, Grenzwerten und Abscheideverfahren für staubförmige Emissionen: Feinstaub in der Abluft.
Der Denkfehler: Gesamtstaub-Grenzwert eingehalten heißt nicht PM2,5 unauffällig
Weil der Gesamtstaub-Grenzwert die Masse aller Partikelgrößen zusammen begrenzt, sagt seine Einhaltung nichts über die Verteilung dieser Masse auf die einzelnen Korngrößenklassen aus. Ein Prozess, der überwiegend sehr feine Partikel erzeugt — etwa Schweißrauch oder Kondensationsaerosole aus thermischen Prozessen —, kann den Gesamtstaub-Grenzwert komfortabel einhalten und trotzdem eine gesundheitlich relevante PM2,5-Fracht verursachen, weil diese leichten, feinen Partikel in der Gesamtmasse kaum ins Gewicht fallen. Zwei Anlagen mit identischer Gesamtstaub-Emission können sich in ihrer PM2,5-Fracht deshalb um ein Vielfaches unterscheiden, je nachdem, welcher Prozess den Staub erzeugt.
Warum die Partikelgröße zählt
Je kleiner ein Partikel, desto tiefer dringt es in die Atemwege ein: Grobe Partikel werden meist schon in Nase und Rachen abgefangen, PM10 erreicht die Bronchien, PM2,5 gelangt bis in die Lungenbläschen und teilweise in den Blutkreislauf. Die gesundheitliche Relevanz steigt deshalb mit abnehmender Korngröße — nicht mit der Gesamtmasse.
Warum das für die Verfahrenswahl relevant ist
Grobstaub lässt sich mit einfachen Verfahren wie Zyklonen wirtschaftlich abscheiden, die Feinfraktion nicht: Die Abscheideleistung fällt bei den meisten Abscheidern unterhalb einer bestimmten Korngröße deutlich ab. Wer Prozesse mit hohem Feinstaubanteil plant — etwa Schweißen, Schleifen oder thermische Prozesse mit Kondensationskeimen — braucht von Anfang an ein Verfahren, das für die Feinfraktion ausgelegt ist, nicht nachträglich nachgerüstet wird. Maßgeblich ist dabei der Fraktionsabscheidegrad, nicht der Gesamtabscheidegrad: Ein Filter kann bei der Grobfraktion sehr gut abscheiden und bei PM2,5 trotzdem durchbrechen — ein nachträglicher Umbau auf ein feinstaubtaugliches Verfahren ist deutlich teurer als eine von Anfang an richtige Auslegung.
Wie PM10 und PM2,5 gemessen werden
Anders als beim gravimetrischen Gesamtstaub, bei dem ein Filter das gesamte Partikelspektrum zurückhält, braucht die Fraktionierung nach Korngröße einen vorgeschalteten Trennschritt. Impaktoren nutzen dafür die Massenträgheit: Der Luftstrom wird durch mehrere Stufen mit abnehmender Düsenweite geführt, größere Partikel folgen der Strömung nicht mehr um die Kurve und schlagen sich ab, während die feinere Fraktion weiterströmt. So lässt sich die Partikelmasse den einzelnen Größenklassen zuordnen. In der Umgebungsluftüberwachung kommen daneben kontinuierlich messende optische oder Beta-Absorptions-Verfahren zum Einsatz, die regelmäßig gegen die gravimetrische Referenzmethode kalibriert werden müssen.
Zusammenhang mit der Immissionsseite
Weil PM10 und PM2,5 immissionsseitige Kenngrößen sind, spielt für ihre Bewertung — anders als beim reinen Emissionsgrenzwert — auch die Ausbreitungsrechnung eine Rolle: Feine Partikel verhalten sich beim Transport durch die Atmosphäre anders als grobe, sie sedimentieren langsamer und können sich über größere Entfernungen verteilen. Bei der Bewertung, ob eine geplante Anlage die Immissionswerte für PM10 oder PM2,5 einhält, fließt deshalb nicht nur die emittierte Staubmasse, sondern auch das Größenspektrum in die Modellierung ein.
Randfall: noch feinere Fraktionen
Unterhalb von PM2,5 wird gelegentlich von PM1 oder von ultrafeinen Partikeln gesprochen — Fraktionen, die wissenschaftlich zunehmend diskutiert werden, aber bislang nicht als eigenständige, regulatorisch verankerte Größe in der TA Luft auftauchen. Für die heutige Anlagengenehmigung sind PM10 und PM2,5 die maßgeblichen Kenngrößen; eine Anlage, die diese beiden Fraktionen sicher beherrscht, erfüllt damit die aktuellen Anforderungen, auch wenn Diskussionen um noch feinere Partikelgrößen künftig zu weiteren Differenzierungen führen könnten. Wer heute schon Prozesse mit sehr feiner Partikelbildung plant, sollte diese Entwicklung im Blick behalten, ohne dass sich daraus aktuell eine verbindliche Zusatzanforderung ableiten ließe.
Die passende Abscheidetechnik für den jeweiligen Größenbereich ordnet die Abluftberatung ein; belastbare Messwerte liefern Emissionsmessungen.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Zahl in PM10 und PM2,5?
Sie bezeichnet die Korngrößen-Obergrenze der jeweiligen Fraktion in Mikrometer, nicht eine Konzentrationsangabe. PM2,5 ist eine Teilmenge von PM10, nicht ein eigenständiger, davon unabhängiger Staubtyp — jedes PM2,5-Partikel zählt automatisch auch zu PM10.
Was ist der Unterschied zwischen Gesamtstaub und PM10/PM2,5?
Gesamtstaub ist eine emissionsseitige Kenngröße der TA Luft — die Masse aller Partikel unabhängig von der Größe, gravimetrisch am Filter bestimmt. PM10 und PM2,5 sind immissionsseitige Kenngrößen, die beschreiben, welcher Anteil der in der Umgebungsluft schwebenden Partikel lungengängig ist.
Warum kann eine Anlage den Gesamtstaub-Grenzwert einhalten und trotzdem hohe PM2,5-Werte verursachen?
Weil der Gesamtstaub-Grenzwert die Masse aller Partikelgrößen begrenzt, ohne die Feinfraktion gesondert zu bewerten. Ein Prozess, der überwiegend sehr feine Partikel erzeugt, kann den Gesamtstaub-Grenzwert einhalten und trotzdem eine hohe PM2,5-Fracht verursachen, weil diese Fraktion in der Gesamtmasse kaum ins Gewicht fällt.
Warum ist die Abscheidung der Feinfraktion technisch anspruchsvoller?
Weil die Abscheideleistung bei den meisten Abscheidern unterhalb einer bestimmten Korngröße deutlich abfällt — grobe Partikel lassen sich mit einfachen Verfahren wie Zyklonen wirtschaftlich abscheiden, die Feinfraktion braucht dagegen ein von vornherein dafür ausgelegtes Verfahren, das nachträglich kaum wirtschaftlich nachrüstbar ist.
Wie werden PM10 und PM2,5 gemessen?
Über Impaktoren, die den Luftstrom durch Stufen mit abnehmender Düsenweite führen — größere Partikel folgen der Strömung nicht mehr um die Kurve und schlagen sich ab, während die feinere Fraktion weiterströmt. In der Umgebungsluftüberwachung kommen daneben kontinuierlich messende optische oder Beta-Absorptions-Verfahren zum Einsatz, die gegen die gravimetrische Referenzmethode kalibriert werden.
Gibt es einen Emissionsgrenzwert speziell für PM10 oder PM2,5?
Emissionsseitig reguliert die TA Luft in erster Linie den Gesamtstaub, nicht die Fraktionen einzeln. Immissionsseitig existieren dagegen eigene Immissionswerte für PM10 und PM2,5 in der TA Luft — Details dazu und die konkreten Werte erklärt unser Ratgeber zu den Immissionsschutzpflichten für Industriebetriebe.
Quellen und Regelwerke
- Umweltbundesamt — Themenseite Luft — Feinstaub-Messdaten und Grenzwerte
- TA Luft 2021 (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) — Nr. 4.2.1: Immissionswerte
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