17. BImSchV: Verbrennung und Mitverbrennung von Abfällen
Die 17. BImSchV regelt die Verbrennung und Mitverbrennung von Abfällen und bestimmten Brennstoffen — von der klassischen Müllverbrennungsanlage über Sonderabfallverbrennung bis zur Mitverbrennung in Zement- oder Kraftwerken. Sie enthält die strengsten Emissionsanforderungen des deutschen Immissionsschutzrechts.
Hintergrund: Bei der Verbrennung von Abfällen können besonders problematische Stoffe entstehen — Dioxine und Furane, Schwermetalle, saure Schadgase. Entsprechend umfangreich sind Grenzwerte, Mess- und Betriebspflichten.
Zentrale Anforderungen der 17. BImSchV
| Anforderung | Regelung |
|---|---|
| Mindestverbrennungsbedingungen | Rauchgas mindestens 2 Sekunden bei ≥ 850 °C (bei halogenreichen Abfällen ≥ 1.100 °C) |
| Dioxine/Furane (PCDD/F) | Grenzwert 0,1 ng TEQ/m³ — einer der schärfsten Werte weltweit |
| Quecksilber | Tagesmittel 0,03 mg/m³, kontinuierlich zu überwachen |
| Saure Schadgase | Strenge Tagesmittelwerte u. a. für HCl, HF und SO₂ |
| Staub, TOC, CO, NOₓ | Kontinuierlich überwachte Tagesmittel- und Halbstundenmittelwerte |
Die Einordnung der Stoffe und ihrer Wirkungen finden Sie in unserem Schadstoff-Wissen — etwa zu Dioxinen, Quecksilber oder Stickoxiden.
Mess- und Betriebspflichten
- Kontinuierliche Messung der Hauptschadstoffe inklusive Quecksilber
- Wiederkehrende Einzelmessungen für Dioxine/Furane und Schwermetalle
- Überwachung der Verbrennungsbedingungen (Temperatur, Verweilzeit, Sauerstoff)
- Annahmekontrolle und Dokumentation der eingesetzten Abfälle
- Regelungen für Anfahr-, Abfahr- und Störungsbetrieb mit Abschaltkriterien
Für Mitverbrennungsanlagen gelten Mischungsregeln: Die Grenzwerte werden anteilig aus den Anforderungen für die Hauptfeuerung (z. B. nach der 13. BImSchV) und der Abfallverbrennung berechnet. Das Genehmigungsverfahren läuft förmlich nach der 9. BImSchV.
Abluftreinigung auf höchstem Niveau
17.-BImSchV-Anlagen kombinieren mehrstufige Rauchgasreinigung: Entstaubung, sauer/alkalische Wäsche oder Trockensorption, Aktivkohle-Stufen gegen Dioxine und Quecksilber, Entstickung per SNCR oder SCR. Welche Kombination wirtschaftlich trägt, hängt von Abfallspektrum und Fahrweise ab. Als herstellerunabhängige Berater bewerten wir Konzepte im Rahmen der unabhängige Abluftberatung, plausibilisieren Garantiewerte und begleiten Abnahme- und wiederkehrende Emissionsmessungen.
Betriebsstörungen und Ausfall der Reinigung
Die 17. BImSchV regelt auch den Nicht-Normalbetrieb streng: Fällt die Abgasreinigung aus, darf die Anlage nur für eng begrenzte Zeiträume weiterbetrieben werden; bei Überschreiten der zulässigen Störungsdauer ist der Abfalleinsatz einzustellen. Anfahr- und Abfahrvorgänge, in denen die Mindestbedingungen noch nicht erreicht sind, müssen ohne Abfallaufgabe erfolgen — üblich sind Stützbrenner, die das Temperaturniveau sichern.
Für Betreiber heißt das: Verfügbarkeit und Redundanz der Reinigungsstufen sind nicht nur eine Umwelt-, sondern eine Produktionsfrage. Ausfallszenarien gehören in die Anlagenplanung und in die Bewertung von Modernisierungen — inklusive der Frage, welche Stufe das wirtschaftliche Nadelöhr ist.
Häufige Fragen zur 17. BImSchV
Für welche Anlagen gilt die 17. BImSchV?
Für Anlagen, die feste, flüssige oder in Behältern gefasste gasförmige Abfälle verbrennen oder mitverbrennen — von Müllverbrennungsanlagen über Sonderabfallverbrennung bis zur Mitverbrennung in Industriefeuerungen wie Zementwerken.
Welcher Dioxin-Grenzwert gilt?
Für Dioxine und Furane gilt ein Grenzwert von 0,1 ng TEQ/m³ im Abgas. Er wird über Langzeitprobenahme bzw. wiederkehrende Einzelmessungen überwacht und gehört zu den strengsten Emissionsanforderungen weltweit.
Was bedeutet Mitverbrennung?
Mitverbrennung liegt vor, wenn Abfälle in einer Anlage eingesetzt werden, deren Hauptzweck die Energie- oder Produkterzeugung ist — etwa Ersatzbrennstoffe im Zementwerk. Die Grenzwerte werden dann anteilig aus den Regelwerken der Hauptfeuerung und der Abfallverbrennung gemischt.
Warum sind mindestens 850 °C und 2 Sekunden vorgeschrieben?
Diese Mindestbedingungen stellen sicher, dass organische Schadstoffe — insbesondere Dioxin-Vorläufer — sicher zerstört werden. Bei Abfällen mit mehr als 1 % halogenierter organischer Stoffe steigt die Mindesttemperatur auf 1.100 °C.
Anforderungen der 17. BImSchV im Griff?
Wir bewerten Rauchgasreinigung, Messkonzepte und Garantiewerte unabhängig — für sichere Genehmigung und Betrieb.